Aus den ersten Sondierungen wurde binnen kurzer Zeit vollständige Ausnutzung. Jake Knott, Leiter Threat Intelligence bei watchTowr, sagte gegenüber Dark Reading, die schädliche Aktivität sei am Freitag rasch zu echter Ausnutzung und zur Abfluss sensibler Dateien eskaliert.

“Über das Wochenende haben wir zudem beobachtet, wie Angreifer Konfigurationsdateien nach Geheimnissen durchsuchten und dabei auch die SSH-Konfigurationen der Opfersysteme abzogen”, so Knott. Die Kombination sei, wie man sich vorstellen könne, wirkungsvoll: Sie könne es Angreifern ermöglichen, Passwörter zu extrahieren, sich mit Instanzen zu verbinden, die Passwortauthentifizierung zulassen, und unter passenden Bedingungen Zugriff auf den Host zu erlangen.

Zwar verschafft die Ausnutzung von CVE-2026-85706 nur lesenden Zugriff auf eine GitLab-Instanz. Doch damit lassen sich Zugangsdaten und CI/CD-Geheimnisse einsammeln — Material, das nicht nur zur vollständigen Kompromittierung der GitLab-Instanz führen kann, sondern auch weiteren Zugang zur Entwicklungsumgebung einer Organisation und zu kritischen nachgelagerten Systemen eröffnet.

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Eine Einschränkung gibt es: Nach Knotts Angaben setzt die Ausnutzung voraus, dass auf dem GitLab-Server mindestens ein öffentliches Projekt existiert. Das sei allerdings “vermutlich eine relativ verbreitete Konfiguration”, und manchen Organisationen sei gar nicht bewusst, dass sie öffentliche Projekte auf der Plattform betreiben.

“Organisationen, die GitLab betreiben, schränken den Zugang zum System womöglich ein, sodass Projekte für Außenstehende ohne Authentifizierung nicht sichtbar sind — das heißt aber nicht, dass als ‘öffentlich’ angelegte Projekte außer Reichweite wären”, sagt Knott. In manchen Fällen wollten Unternehmen bestimmte Codebasen bewusst öffentlich zugänglich machen. In anderen gingen sie fälschlich davon aus, ein Projekt sei weiterhin “intern”, wenn es innerhalb des eigenen GitLab-Systems auf öffentlich gesetzt wurde.

Es ist bereits die zweite kritische GitLab-Lücke, die in jüngerer Zeit ins Visier genommen wurde: watchTowr verweist auf CVE-2026-19478, eine Code-Injection-Schwachstelle in GraphQL, die im vergangenen Monat kurz nach ihrer Veröffentlichung ausgenutzt wurde.

watchTowr rät Betreibern selbst gehosteter Instanzen dringend zum Update auf die Versionen 19.3.2, 19.2.6 oder 19.1.8 für Community und Enterprise Edition. Wer nicht patchen kann, soll umgehend jeden öffentlichen Zugriff auf die Instanz entfernen. Kunden von GitLab Dedicated müssen laut GitLab nichts unternehmen; die Online-Plattform GitLab.com ist bereits gepatcht.

Zusätzlich empfiehlt watchTowr den Sicherheitsteams, die Zugriffsprotokolle der Repository-Commits-API auf verdächtige oder nicht authentifizierte Anfragen zu prüfen, die auf Sondierungs- oder Ausnutzungsaktivität hindeuten.