Das britische Handelsregister Companies House bestätigte am Montag eine kritische Sicherheitslücke in seiner WebFiling-Plattform. Die Schwachstelle wurde bereits am 12. März 2025 von John Hewitt vom Sicherheitsunternehmen Ghost Mail entdeckt, existierte aber bereits seit Oktober 2025 in der Anwendung.
Das Sicherheitsloch ermöglichte es jedem angemeldeten Benutzer, auf die Konten anderer Unternehmen zuzugreifen. Ein Angreifer hätte dadurch Zugang zu vertraulichen Informationen von insgesamt fünf Millionen registrierten Firmen erhalten können – einschließlich Geburtsdaten von Geschäftsführern, privaten Wohnadressen und E-Mail-Adressen.
Besonders bemerkenswert war die Trivialität des Exploits: Ein Angreifer musste lediglich die Option “für ein anderes Unternehmen einreichen” auswählen, die eindeutige Unternehmenskennung eingeben und bei einer Authentifizierungsaufforderung mehrmals den Zurück-Button drücken – schon war er im Zielkonto angemeldet. Das Verfahren war derart einfach, dass es keinerlei technische Fachkenntnisse erforderte.
Darüber hinaus hätte ein Angreifer Unternehmensdetails ändern und nicht autorisierte Anmeldungen vornehmen können. Companies House betonte zwar, dass die Schwachstelle nur von authentifizierten Benutzern ausgenutzt werden konnte, und behauptet, von keinen bekannten Exploitationen Kenntnis zu haben. Dennoch handelt es sich um ein erhebliches Sicherheitsversäumnis bei einer kritischen Regierungsinstitution.
Die Behörde versicherte, dass Passwörter und Daten des Identitätsverifizierungsprozesses (etwa Reisepässe) nicht exponiert wurden und Änderungen an bereits eingereichten Dokumenten nicht möglich waren. Allerdings räumte man ein, dass ein Angreifer potentiell große Datenmengen hätten systematisch extrahieren können.
Für deutsche und internationale Unternehmen mit britischen Zweigstellen oder Tochterunternehmen ist dies relevant. Die Behörde fordert betroffene Firmen auf, ihre Einträge und Einreichungshistorie zu überprüfen und Unregelmäßigkeiten zu melden. Das Incident offenbart einmal mehr die Fragilität kritischer digitaler Infrastrukturen auch in etablierten Wirtschaftsnationen und unterstreicht die Notwendigkeit rigider Sicherheitstests bei staatlichen E-Government-Systemen.
