Der Kern des Vorwurfs: Die MPD habe für ein derart „mächtiges" System keine Kontrollen aufgestellt oder durchgesetzt. „Ein System mit so breiten und weitreichenden Fähigkeiten erfordert nicht nur erhebliche Schutzmechanismen, sondern auch volle Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit", sagte Gewerkschaftspräsident Gregg Pemberton, ein ranghoher Ermittler. „Die MPD hat weder das eine noch das andere geliefert."
Zu den Sorgen der Gewerkschaft zählt laut Pressemitteilung, dass „die vollen Fähigkeiten dieses Systems weiterhin unbekannt" seien. Pemberton kritisierte zudem, öffentliches Vertrauen lasse sich nicht durch Geheimhaltung über die Technik herstellen, und das Vertrauen der Beamten nicht dadurch, dass man die Regeln für die einfache Belegschaft verschärfe, während man sich weigere, jene Amtsträger zu untersuchen, die das System missbrauchen.
Die Gewerkschaft prüft nun weitere Schritte, um den Umgang der Behörde mit Flock-Daten und die zulässigen Einsatzzwecke zu reformieren. Gefordert wird, dass für Beamte jedes Dienstgrades dieselben Regeln zu Begründungspflicht, Protokollierung und Prüfung gelten. Die MPD wollte sich zu den angeblichen neuen Einschränkungen und zum Zeitpunkt ihrer Herausgabe nicht äußern.
Der Streit fällt in eine Phase wachsender Kritik an Flock in den gesamten USA, nach zahlreichen Fällen, in denen Polizisten die Kennzeichenscanner zum Nachstellen von Personen nutzten. Die Polizei von Austin in Texas stellte den Einsatz im Juni 2025 unter dem Druck von Anwohnern ein; weitere Städte folgten, darunter Cambridge in Massachusetts, Evanston in Illinois und Eugene in Oregon. Die Bundesstaaten Texas und Florida kündigten Ende August und Anfang September deutliche neue Beschränkungen an.
Besonders auffällig ist eine Auswertung der Bürgerrechtsorganisation Secure Justice: Allein im August beendeten demnach mehr als 90 US-Städte und -Bezirke die Zusammenarbeit mit Flock. Seit 2021 zählte die Organisation über 200 gekündigte Verträge — fast die Hälfte der Kündigungen fiel damit in die vergangenen sechs Wochen. Ein Sprecher von Flock reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Datenschutzfachleute halten die Wortmeldung der Gewerkschaft für bemerkenswert. „Ich habe noch nie erlebt, dass eine Gewerkschaft der einfachen Polizeibeamten so vehement fordert, die Befugnisse der Polizei zurückzunehmen", sagte Jake Laperruque, Überwachungsexperte am Center for Democracy and Technology. Das zeige, wie stark die Ablehnung gegenüber Flock sei — selbst Polizisten einer großen Behörde erklärten, sie sollten diese Befugnisse nicht haben.
Auch der DC Council befasst sich mit dem Fall. Ratsmitglied Brooke Pinto, Vorsitzende des Ausschusses für Justiz und öffentliche Sicherheit, richtete am 14. September ein Schreiben an den kommissarischen MPD-Chef Jeffery Carroll mit zehn Fragen dazu, wie die Behörde Flock-Daten nutzt und warum sie die Technik überhaupt benötigt. „Sicherheit und Privatsphäre sind Grundrechte unserer Einwohner", erklärte Pinto; die Regierung müsse den Schutz der öffentlichen Sicherheit und die Wahrung der Bürgerrechte stets abwägen. Die Öffentlichkeit habe Anspruch auf Transparenz darüber, wie diese Technik in den Gemeinden eingesetzt werde.
