Pomeranz zieht eine Parallele, die in der Branche derzeit häufig gezogen wird: Der KI-getriebene Hype erinnere ihn an die Dotcom-Blase. Deren Ende beschreibt er drastisch – Menschen hätten Büros mit Stühlen und Laptops unter dem Arm verlassen, weil sie wussten, dass die letzte Gehaltszahlung ausbleiben würde. Rechenzentren seien zu Geisterstädten geworden, viele hätten in völlig andere Branchen wechseln müssen, weil die Stellen schlicht verschwunden waren.
Er selbst konnte nach 2000, als die operative IT-Arbeit versiegte, in die Entwicklung von Lernsoftware wechseln – weil er entsprechende Fähigkeiten bereits kultiviert und Kontakte außerhalb seiner engeren Nische gehalten hatte. Daraus leitet er drei Empfehlungen ab: jährlich eine größere, nicht direkt benachbarte technische Kompetenz erwerben; Beziehungen aufbauen, bevor man dringend auf sie angewiesen ist; und lokale Nutzergruppen, Meetups sowie Alumni-Netzwerke höher gewichten als große nationale Konferenzen. “Lerne jedes Jahr eine große neue Sache. Es spielt keine Rolle, welche – diese Vielfalt ist es, die dich durch schwierige Momente trägt”, fasst er zusammen.
Ein zweiter Strang des Gesprächs dreht sich um Selbstzweifel. In einem Beitrag auf InfoSec Exchange hatte Pomeranz geschrieben, dass er sich trotz fünf Jahrzehnten Arbeit mit Computern beim Erlernen einer neuen Technologie noch immer wie “der dümmste Neuling des Planeten” fühle. Anlass war seine Auseinandersetzung mit einem neuen Architektur-Setup im ELK-Stack, bei dem er sich an OpenSearch und Lucene aufrieb. Er habe zu viele Beiträge von Leuten gesehen, die schrieben, es sei zu schwer, sie fühlten sich dumm und wollten aufgeben. Seine Antwort: Selbstzweifel seien natürlich, auch Fachleute täten sich mit neuen Konzepten schwer. Entscheidend sei, sich immer wieder zu erlauben, Anfänger zu sein – mit jeder bewältigten Hürde wachse das Vertrauen, am Ende eine Lösung zu finden.
Bracken verweist auf einen Vortrag, den Pomeranz vor 13 Jahren beim SANS 360 DFIR Summit unter dem Titel “Fighting Your Dragons” gehalten hat und in dem er über das Stellen und Überwinden eigener Ängste sprach – mit einem Zitat von Mark Twain: “Tu das, was du am meisten fürchtest, und der Tod der Furcht ist gewiss.” Für Pomeranz war es der erste öffentliche Auftritt zu einem nicht-technischen, sehr persönlichen Thema; kurz vor den Eröffnungsworten habe ihn eine Panikattacke erfasst, bei der er keine Luft bekam. Die Resonanz sei größer gewesen als bei jeder technischen Präsentation zuvor. Sein Schluss: Menschen sehnten sich nach authentischer, persönlicher Kommunikation.
Sein Engagement für Mentoring begründet Pomeranz mit der eigenen Prägung. In großen IT-Organisationen wie den Bell Laboratories hätten sich erfahrene Ingenieure Zeit für ihn genommen, ohne unmittelbare Gegenleistung zu erwarten – unter der stillschweigenden Abmachung, dass er dies später an die nächste Generation weitergibt. Da es solche großen Häuser mit informeller Lehrzeit heute seltener gebe, stelle er Kursmaterial bereit, schreibe Blogbeiträge und veröffentliche frei zugängliche Informationen.
Wer sich angesichts der Erfolgsmeldungen rund um Großveranstaltungen wie Black Hat abgehängt fühlt, dem hält Pomeranz entgegen: Soziale Medien zeigten nur die kuratierten zehn Prozent Höhepunkte, nicht die 90 Prozent Alltag, Mühsal und Routine. Die Sicherheitsgemeinschaft sei im Kern eng verbunden und hilfsbereit – Fragen zu stellen sei oft der erste Schritt zur nächsten Gelegenheit.
