Die Recherche von KrebsOnSecurity zeigte, dass die Lubarsky-Brüder ihre Datenhändler-Firmen unter dem Namen eines erfundenen Geschäftsführers aufbauten. Radaris-Anwalt Val Gurvits von der Boston Law Group räumte ein, seine Mandanten hätten das Pseudonym „Gary Norden" erfunden; Radaris hatte den fiktiven CEO über Jahre in Pressemitteilungen zitiert, während das Unternehmen Geld bei potenziellen Investoren einwarb.
Im Verfahren setzten die Radaris-Anwälte auf Zeit: Sie erschienen erst in letzter Minute vor Gericht und erklärten dann, Atlas habe die tatsächlichen Eigentümer nicht ordnungsgemäß zugestellt bekommen. Atlas reichte die Klage im Juni 2025 erneut ein und weitete den Kreis der beschuldigten Radaris-Firmen deutlich aus.
„Wir nennen diese Phase ihr Inselhüpfen. Die Datenschutzerklärungen änderten sich ständig, und neue Gesellschaften tauchten aus Orten wie den Marshallinseln, den Britischen Jungferninseln und den Seychellen auf", sagte Atlas-Chef Matt Adkisson gegenüber KrebsOnSecurity. Sobald ein Urteil nahte, seien die zuvor benannten Einheiten verworfen und neue präsentiert worden. Als die Nutzungsbedingungen plötzlich eine Firma auf den Marshallinseln als Betreiberin auswiesen, beauftragte Atlas dort einen Ermittler — die Gesellschaft existierte noch gar nicht.
Ein ähnliches Muster gab es bereits 2017: Damals verlor Radaris eine Sammelklage per Versäumnisurteil über 7,5 Millionen US-Dollar, und das Gericht wies die Registry Verisign an, radaris.com an die Kläger zu übertragen. Gurvits legte Berufung ein mit dem Argument, die eigentliche Domaininhaberin — die zyprische Bitseller Expert Limited — sei nicht benannt worden. Der Richter stoppte die Übertragung; kurz darauf wechselte der Betreiber von Bitseller zur im Oktober 2020 auf den Marshallinseln gegründeten Andtop Company. Die Kläger klagten nie erneut.
„Früher gewannen sie durch Zermürbung", sagte Raj Parikh, Partner bei PEM Law in New Jersey, der die meisten Daniel’s-Law-Verfahren für Atlas führt. Diese Strategie habe ein Jahrzehnt funktioniert.
Gurvits wollte sich nicht äußern, der Fall sei an den Anwalt Victor Worms übergegangen. Worms erklärte, das Gericht habe radaris.com im Rahmen eines Versäumnisurteils gegen „Radaris.com" übertragen — und das sei keine juristische Person. Man habe beantragt, das Urteil aufzuheben, da eine Nicht-Entität weder klagen noch verklagt werden könne, und werde Rechtsmittel prüfen: Die Übertragung komme einer Einziehung gleich, die gegen Verfassungsgrundsätze verstoße.
Atlas hat nach eigenen Angaben über 10.000 E-Mails und Dokumente erlangt. Sie belegten, dass die nominellen Rechtsträger — darunter Radaris America, Bitseller Expert Limited, Digital Orbit Corp, Veripages Inc. und Property Experts — von denselben drei bis vier Personen aus denselben Postfächern verwaltet werden, sich Bank- beziehungsweise Zahlungskarten teilen und über eine einzige virtuelle Büroadresse laufen. Radaris.com und mindestens 25 weitere Personensuchseiten seien ein einziger Betrieb einer kleinen Gruppe im Raum Boston, technisch und finanziell verankert auf der Mail-Domain difive.com und deren Nachfolgern.
Laut Atlas nimmt Radaris.com rund 42.000 US-Dollar monatlich ein, Veripages.com etwa 45.000 US-Dollar über eine Partnerschaft mit der Lifetime Value Company (Marken: PeopleLooker, PeopleSmart, NumberGuru, Bumper). Bis zu 25.000 US-Dollar im Monat stammten aus der Zusammenarbeit mit Onerep — jenem Anbieter, der beim Entfernen von Daten aus Personensuchdiensten helfen will und dessen belarussischer Gründer laut KrebsOnSecurity selbst dutzende solcher Seiten betrieb.
Insgesamt hat das Gericht bislang 14 Domains an Atlas übertragen; Strafen von 1.000 US-Dollar je Verstoß stehen weiter im Raum. Zugleich steht Daniel’s Law unter Druck: Rund 70 der Atlas-Verfahren wurden auf Betreiben der Branche an Bundesgerichte verwiesen, wo das Gesetz als zu weitgehend und als Verstoß gegen den ersten Verfassungszusatz angegriffen wird. Das Berufungsgericht des Third Circuit hat noch nicht entschieden; ein Gang zum Supreme Court gilt als wahrscheinlich. Mindestens 14 weitere Bundesstaaten haben Gesetze nach New Jerseyer Vorbild verabschiedet — die Variante aus West Virginia erklärte ein Bundesbezirksgericht im August 2025 für verfassungswidrig.
