Die Beschlagnahme trifft einen der langlebigsten Anbieter im Booter-Geschäft. Auf seiner inzwischen abgeschalteten Website warb NightmareStresser damit, das „einzige rund um die Uhr verfügbare DDoS-Werkzeug" zu sein, das seit über acht Jahren ununterbrochen laufe. In einer ironisch anmutenden Selbstbeschreibung hieß es: „Seit über acht unerbittlichen Jahren ist NightmareStresser nicht ein einziges Mal ausgefallen. Kein Verschwinden. Keine gebrochenen Versprechen. Nur rohe, beständige Dominanz, Tag und Nacht."
Wie groß der Dienst war, zeigt ein Bericht von Searchlight Cyber aus dem Jahr 2023: Demnach hatte NightmareStresser mehr als 566.000 registrierte Nutzer und 52 Server. Über das Bedienfeld konnten Angreifer die Ziel-IP-Adresse oder -URL sowie den Port auswählen und die Zahl gleichzeitig laufender Angriffe festlegen. Aufnahmen des Internet Archive zeigen, dass die Domain nightmarestresser[.]org ihrerseits von dem Webinfrastruktur-Anbieter BlazingFast gegen DDoS-Angriffe abgesichert war.
Bezahlt wurde in Kryptowährung. Zusätzlich betrieb die Plattform ein „fortgeschrittenes Empfehlungssystem": Nutzer erhielten Guthaben, wenn ihr Empfehlungslink von anderen aufgerufen wurde – unabhängig davon, ob sofort oder später etwas gekauft wurde. „Geworbene Nutzer werden dauerhaft mit Ihrem Konto verknüpft, das heißt, Sie verdienen Guthaben bei jeder Verlängerung und jedem Kauf, den sie im Lauf der Zeit tätigen", hieß es auf der Website.
Technisch bot der Dienst nach eigenen Angaben fortgeschrittene Verstärkungsmethoden auf Layer 4 sowie diverse Umgehungstechniken auf Layer 4 über UDP/TCP und auf Layer 7. Damit sollten sich CAPTCHAs, Geoblocking und Ratenbegrenzungen aushebeln lassen. Beworben wurde außerdem eine Schaltfläche „Stop All", mit der sich sämtliche laufenden Angriffe auf einen Schlag beenden ließen: „Egal wie viele aktive Angriffe laufen, ob auf Layer 4 oder Layer 7 oder auf beiden – ein Klick genügt, um sie sofort zu stoppen."
NightmareStresser war den Ermittlern bereits bekannt: Im Dezember 2022 gehörte die Domain nightmarestresser[.]com zu 48 Domains, die das Justizministerium sicherstellte. In diesem Jahr führte eine ähnliche Aktion im April zur Abschaltung von 53 Domains und zur Festnahme von vier Personen im Zusammenhang mit kommerziellen DDoS-Diensten, die von mehr als 75.000 Kriminellen genutzt worden sein sollen.
Insgesamt wurden im Rahmen dieser Strafverfolgungsmaßnahmen zwölf Beschuldigte angeklagt, die DDoS-Mietdienste betrieben oder unterstützten; mehr als 100 zugehörige Internetdomains wurden beschlagnahmt. „Die heute bekanntgegebene, mehrgleisige Ermittlung baut auf dem Erfolg der früheren Verfahren auf, indem sie sämtliche bekannten Booter-Seiten ins Visier nimmt, so viele wie möglich abschaltet und eine Aufklärungskampagne für die Öffentlichkeit startet", teilte das Justizministerium mit.
