Die iranische Agentur Mehr berief sich auf ein Besatzungsmitglied und schilderte einen weitreichenden Eingriff: Die Angreifer sollen bis in den Maschinenraum vorgedrungen sein, den Kühlmittelfluss gedrosselt, die Motordrehzahl erhöht und die Kraftstoffzufuhr gestört haben. Zudem sollen sie auf Navigations- und Ladungssysteme zugegriffen und die Kommunikation des Schiffes für rund 30 Stunden unterbrochen haben.

Konteradmiralin Amy Grable, Kommandeurin des Coast Guard Cyber Command, sagte gegenüber CBS News, die Ermittler hätten nach Durchsicht der IT- und weiterer Bordsysteme tatsächlich Spuren eines böswilligen Cyberakteurs gefunden. Zugleich betonte sie, nichts aus der Untersuchung habe darauf hingedeutet, dass der Tanker nicht sicher zu betreiben gewesen sei. Nach ihren Angaben war dies eine von schätzungsweise 40 bis 50 vergleichbaren Begehungen, die das Cyber Protection Team der Küstenwache im vergangenen Jahr durchgeführt hat.

Quinton DuBose, ehemals für Cyberfragen bei der Küstenwache zuständig, widersprach der Vorstellung, Angreifer könnten die vollständige Kontrolle über einen Supertanker übernehmen. Realistischer sei, dass ein Angreifer genügend Einzelsysteme beeinträchtige, um den sicheren Betrieb zu erschweren. Er mahnte außerdem zur Vorsicht gegenüber der iranischen Berichterstattung: Iran-nahe Akteure hätten eine Geschichte darin, ihre Cyberfähigkeiten zu übertreiben.

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Ob die beiden Tankervorfälle zusammenhängen und ob Iran oder ein anderer staatlicher Akteur dahintersteht, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Der Vorgang fällt in eine Phase, in der die US-Küstenwache erst wenige Tage zuvor ein eigenes Office of Maritime Cybersecurity Policy angekündigt hatte. Diese Stelle soll als zentrale Instanz Richtlinien für die Cybersicherheit des maritimen Transportsystems entwickeln und umsetzen.

Fachleute warnen seit Langem, dass der Seeverkehr wegen veralteter und nicht verwalteter OT-Systeme, Satellitenkommunikation und vernetzter IoT-Geräte sowohl auf Schiffen als auch in Häfen gefährlich exponiert ist. Als Einfallstore gelten WLAN, Kurzwellenfunk und Satellitenverbindungen – oder schlicht ein infizierter USB-Stick. Eine erfolgreiche Kompromittierung könnte im Extremfall Fernzugriff auf Antriebssteuerung, Ruder oder Navigationssysteme eines Schiffes eröffnen.

Neben Ransomware, die den Schiffsbetrieb bereits gestört hat, nennen Experten noch schwerwiegendere Szenarien: das Fälschen von GPS-Signalen, die Manipulation von AIS-Daten zur Verschleierung der tatsächlichen Position eines Schiffes oder das absichtliche Auflaufenlassen eines Schiffes, um eine kritische Wasserstraße zu blockieren. Da rund 80 Prozent der weltweit gehandelten Güter über See transportiert werden, könnte ein gezielter Angriff Verluste in Milliardenhöhe und Versorgungsengpässe mit Kettenwirkung auslösen.