Auf ihrer Website erklärte die Gruppe: „Wir sind in die Infrastruktur der russischen Zentralen Wahlkommission eingedrungen und haben geheime Dokumente sowie interne Chats der Entwickler heruntergeladen." Eine Störung der Abstimmung oder der Arbeit der Wahlkommissionen sei nicht beabsichtigt gewesen. Ziel sei es vielmehr, offenzulegen, wie das russische Wahlsystem intern funktioniert und welche Möglichkeiten es den Behörden nach Darstellung der Gruppe zur Manipulation von Ergebnissen eröffnet.

Zusätzlich veröffentlichte CikLeak Bildschirmfotos, die kompromittierte Systeme zeigen sollen. Die Gruppe rief Russinnen und Russen dazu auf, am letzten Wahltag persönlich im Wahllokal abzustimmen — das erschwere Manipulationen.

Die Plattform Vybory 2.0 ist erst in diesem Jahr in Betrieb gegangen und löste eine Vorgängerversion ab, die seit Ende der 1990er-Jahre im Einsatz war. Die anstehende Duma-Wahl ist damit der erste bundesweite Praxistest des Systems.

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Die Zentrale Wahlkommission hatte bereits vor wachsenden Cyberbedrohungen im Vorfeld der Abstimmung gewarnt. Einen Tag bevor CikLeak den mutmaßlichen Einbruch öffentlich machte, prüften russische Wahlbehörden die Sicherheit des Vybory-Portals, des Systems für die elektronische Fernabstimmung sowie der Videoüberwachungsinfrastruktur. Als „schwaches Glied" identifizierte die Prüfung dabei die Videoüberwachung, insbesondere die unterbrechungsfreie Übertragung der Bildsignale.

ZIK-Chefin Ella Pamfilowa erklärte, die Zahl der Angriffe auf Wahlsysteme und zugehörige Infrastruktur sei vor der Wahl gestiegen. „Wir haben seit Jahren damit zu tun, aber was derzeit geschieht, lässt sich in Intensität, Umfang und Geschwindigkeit der verschiedenen Angriffe kaum mit etwas vergleichen", sagte Pamfilowa. Im August hatte sie noch versichert, das Wahlsystem sei vollständig gegen Cyberangriffe geschützt; die Daten der Wahlberechtigten würden zweimal jährlich online aktualisiert und in einem System mit geschlossenem Zugang gespeichert.

Russische Wahlinfrastruktur war schon bei früheren Abstimmungen Ziel von Angriffen. Während der Präsidentenwahl im März 2024 gab es verteilte Überlastungsangriffe (DDoS), außerdem richteten Angreifer Phishing-Seiten und gefälschte Telegram-Kanäle ein, die offizielle russische Dienste imitierten. Rostelecom erklärte damals, die meisten Angriffe auf die Wahlinfrastruktur stammten aus der Ukraine, Westeuropa und Nordamerika und gingen auf professionelle Hackergruppen zurück.

Angegriffen wurden seinerzeit auch Online-Dienste der Kremlpartei Einiges Russland sowie Behördendienste in mehreren russischen Regionen. Der ukrainische militärische Nachrichtendienst HUR räumte später ein, hinter den Angriffen auf Einiges Russland und auf das russische elektronische Wahlsystem gestanden zu haben.