Der National Defense Authorization Act (NDAA) legt die Politik des Pentagons und die Ausgabenhöhe für nationale Sicherheitsprogramme fest und wird üblicherweise gegen Jahresende verabschiedet. Das Repräsentantenhaus hat seine Fassung bereits beschlossen, der Senat dürfte seinen Entwurf vor der Abreise in den Wahlkampf nicht mehr aufrufen. Über die konkurrierenden Vorlagen sollen Mitarbeiter der sogenannten „Big Four" — der Vorsitzenden und ranghöchsten Oppositionsvertreter der Streitkräfteausschüsse beider Kammern — informell verhandeln; ein Endtext wird vor Thanksgiving erwartet, die Abstimmung im Dezember.
Mitarbeiter beider Ausschüsse wurden bereits über die Häufung der Todesfälle unterrichtet, weitere Termine sind vorgesehen. Quellen sagten Recorded Future News, diese Briefings könnten genug Aufmerksamkeit erzeugen, um neue Bestimmungen unterzubringen.
Abgeordnete Sarah Elfreth (Demokraten, Maryland), Mitglied im Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses und Vertreterin des Wahlkreises direkt am Zaun von Fort Meade, will auf einen besseren Zugang zu psychologischen Fachkräften dringen. Wegen der militärischen Mission des Kommandos müssen diese selbst über Sicherheitsfreigaben verfügen. „Uns fehlt es an Anbietern und an Zugang", sagte sie. Zudem will sie erreichen, dass das Pentagon seine Definition eines Suizid-Clusters — mehrere Fälle in kurzer Zeit — auch auf Zivilbeschäftigte ausweitet; das sei allerdings in diesem Jahr „ein bisschen ein Verzweiflungswurf". Jede Mission im Verteidigungsministerium sei anspruchsvoll, sagte Elfreth, doch was bei CYBERCOM und der NSA geschehe, sei eine besondere Art von Auftrag.
Der NDAA für das Haushaltsjahr 2024 hatte eine Studie zur „beruflichen Widerstandsfähigkeit" der Cyber Mission Force verlangt. Das Recorded Future News vorliegende Papier kommt zu dem Schluss, die verfügbaren Ressourcen und Programme seien unzureichend und könnten die langfristige Einsatzbereitschaft des Personals gefährden. Zwar nennt der Bericht Maßnahmen — etwa die Beauftragung hoher Kommandovertreter, ein Rahmenwerk für Präventions- und Behandlungsprogramme zu entwickeln —, ein Umsetzungsplan wurde dem Kongress bislang aber nicht vorgelegt. Politisch gebe es „Haken", um zusätzliche Aufsicht anzuhängen, so die Kongressquelle, „das Problem ist: Für Geld sehe ich keinen Haken."
Ein zweiter Weg wäre das nächste Haushaltsgesetz. Beide Kammern haben eine Übergangsfinanzierung bis zum 11. Dezember beschlossen; eine weitere Zwischenlösung gilt als wahrscheinlich. Der Bewilligungsausschuss des Repräsentantenhauses billigte für das Haushaltsjahr 2027 elf Millionen Dollar für „High Performance Team Training" beim Cyber Command — Platz zwei auf der Liste unfinanzierter Prioritäten des Kommandos. Das Training biete „kognitive, psychologische, physiologische und spirituelle Unterstützung für Cyberoperationen mit hohem Tempo. Ohne Finanzierung werden Burnout und Kräfteverfall weitergehen."
Das Kommando selbst reagiert ebenfalls: General Joshua Rudd, der Cyber Command und NSA führt, lässt sich von den Chefs der Cyber-Zweige von Army, Navy, Marine Corps und Air Force wöchentlich berichten. In den betroffenen Einheiten gab es eine verpflichtende Beratungsphase.
Andrew Schoka, ehemaliger Army-Offizier mit mehreren Verwendungen beim Cyber Command, nennt Burnout ein seit Jahren bestehendes Kernproblem: Die Teams seien faktisch dauerhaft „am Ort eingesetzt", ohne definierte Ruhe- und Erholungszyklen. Es gebe stets neue Prioritäten und nie genug qualifiziertes Personal. Zugleich sei es ein Führungsproblem — Stäbe ohne technische Expertise könnten knappe Spezialrollen nicht richtig planen und priorisieren. Mehr Unterstützungsangebote seien wichtig, lösten die Ursache aber nicht.
Auch die NSA ist betroffen, wo es ebenfalls zu Suiziden kam. Vizedirektor Tim Kosiba wurde ins Weiße Haus gerufen; das Gespräch drehte sich laut zwei Quellen mit direkter Kenntnis jedoch um die Fälle beim Cyber Command. Senator Mark Warner und Abgeordneter Jim Himes, die ranghöchsten Demokraten in den Geheimdienstausschüssen, fragten bei der NSA nach deren Unterstützungsangeboten — bislang ohne Antwort. „Diese Verluste sind eine Tragödie", erklärte Warner und kündigte an, mit Fort Meade an den nötigen Ressourcen zu arbeiten.
