Im Zentrum der angolanischen Operation stand laut Citizen Lab eine Facebook-Seite eines fiktiven Mediums namens „Agita News“, die eigene Beiträge veröffentlichte und auf Artikel einer externen Website verlinkte. Beide sind inzwischen offline. Ziel war nach Darstellung von BlackCore die Förderung „positiver Regierungskampagnen“: Es ging, so Citizen-Lab-Forscher Alberto Fittarelli, um Erzählungen, die die angolanische Regierung „in einem positiven Licht“ zeigen sollten, und nicht bloß um Angriffe auf Regierungsgegner.
In seinen allgemeinen Verkaufsunterlagen warb das Unternehmen mit deutlich aggressiveren Fähigkeiten. Es stellte Kunden Hunderte gefälschter Personas – im Firmenjargon „Avatare“ – auf Facebook, Instagram und TikTok in Aussicht. Zum Leistungsangebot gehörten das Fluten von Plattformen mit koordinierten Botschaften, das Erzeugen von Reaktionen echter Nutzer und das Kontern unerwünschter Narrative mit maßgeschneiderten Inhalten.
Ob eine Einflussoperation die öffentliche Meinung tatsächlich verändert, lässt sich kaum feststellen. BlackCore war jedoch sichtlich bemüht, Wirkung nachzuweisen: Screenshots im Abschlussbericht zeigen täuschende Facebook-Beiträge mit rund 20.000 Likes, einzelne weiterhin abrufbare Posts erreichten später fast 50.000 – laut Citizen Lab „beachtliche Größenordnungen in einem Land mit geschätzt sechs Millionen aktiven Facebook-Nutzern“.
Eine unabhängige Bestätigung, dass die Schulungen stattfanden, gelang den Forschern nicht; auch welche Regierungsmitarbeiter teilnahmen, blieb offen. Die Kombination aus internen Dokumenten und aufgefundener Online-Infrastruktur mache es aber „sehr wahrscheinlich“, dass das Programm so ablief wie von BlackCore beschrieben. Gegenüber Recorded Future News erklärten die Forscher, es gebe keine Hinweise darauf, wie BlackCore beauftragt wurde, ob die angolanische Regierung direkt zahlte und welche Summen flossen. Die Schulungen begannen wahrscheinlich im Februar; seither sind die Websites und Social-Media-Konten des Unternehmens offline. Citizen Lab fand keinen aktuellen Kontaktweg für eine Stellungnahme, die angolanische Regierung reagierte nicht auf eine Anfrage von Recorded Future News.
BlackCore stand bereits zuvor im Blick europäischer Behörden. Die französische Aufsichtsstelle gegen ausländische Einmischung, Viginum, erklärte im Juni, eine Informationsoperation gegen die linke Partei La France Insoumise und einige ihrer Kandidaten während der Kommunalwahlen weise technische Verbindungen zu israelischen Akteuren auf, darunter BlackCore. Die Kampagne setzte Websites und koordinierte Konten auf mehreren Plattformen ein, um Kandidaten herabzusetzen und die politische Debatte zu polarisieren. Wer die Operation in Auftrag gab, konnten die französischen Behörden nicht klären. Später nannte Viginum BlackCore auch als Verdächtigen bei Aktivitäten rund um Wahlen oder politische Zielgruppen in New York, Schottland, Angola und Togo.
Meta berichtete in einem Bedrohungsbericht im August, ein koordiniertes Netzwerk mit Ursprung in Israel gestört zu haben, das unter anderem Zielgruppen in Angola adressierte. Nach Einschätzung von Citizen Lab wurde dieses Netzwerk sehr wahrscheinlich von BlackCore betrieben.
Für Angola versprach BlackCore ein „professionelles, robustes und skalierbares“ System für Regierungskommunikation. Dass Dienstleister ihre Kunden dazu befähigen, Operationen selbst zu führen, statt sie in deren Auftrag zu betreiben, sei „nicht sehr verbreitet“, sagte Fittarelli. „Kunden darin zu schulen, ihre Operationen eigenständig zu führen, wurde historisch als wahrscheinlicher Weg beobachtet, einer Entdeckung zu entgehen.“ Der Fall zeige, so Citizen Lab, wie Regierungen fertige Infrastruktur und Fachwissen für verdeckte Online-Kampagnen zunehmend bei privaten Auftragnehmern einkaufen können.
