Am 11. Mai wurden laut TanStacks Sicherheitshinweis 84 manipulierte Versionen von 42 npm-Paketen des Projekts veröffentlicht; die Kompromittierung wird als CVE-2026-45321 geführt. Wer eine dieser Versionen installierte, führte Code aus, der Zugangsdaten vom Rechner abgriff – darunter GitHub-Token, SSH-Schlüssel und Cloud-Zugangsdaten.
Elf Tage später erfolgte laut CrowdSec das Kopieren der Repositories, und zwar mit einem GitHub-OAuth-Token aus dem Konto des ehemaligen Mitarbeiters. Am 25. Mai, drei Tage nach dem Vorgang und Monate vor Bekanntwerden des Leaks, entfernte das Unternehmen das Konto aus seiner GitHub-Organisation. Weitere Zugänge des Mitarbeiters waren bereits gesperrt – was nach Darstellung des Unternehmens erklärt, warum in den AWS-Systemen keine auffälligen Aktivitäten sichtbar wurden.
In den einsehbaren GitHub-Protokollen hinterließ das Token keine Spur, und es existierte zum Zeitpunkt der Entdeckung nicht mehr. Der GitHub-Support habe die Historie des Tokens anschließend nachverfolgt und den Verdacht bestätigt, dass TanStack die Quelle war. Welches schädliche Paket den Laptop erreichte und wann, nennt CrowdSec nicht; GitHubs eigene Erkenntnisse sind im Bericht nicht enthalten. Die Rechner der eigenen Entwickler seien überprüft worden und sauber gewesen.
Derselbe Angriff traf weitere Unternehmen: Mistral AI erklärte, in seinem Fall sei ein Entwicklergerät betroffen gewesen; OpenAI sprach von zwei Mitarbeitergeräten und unbefugtem Zugriff auf einen begrenzten Teil interner Code-Repositories.
Zum kopierten Material gehören nach Angaben von CrowdSec die Web-Konsole, Data-Science-Skripte und -Modelle, Automatisierungsskripte sowie der Konsensalgorithmus, der entscheidet, welche IP-Adressen auf die Sperrlisten kommen. Der Code sei fast vier Monate alt und habe sich seither stark verändert. Offengelegt wurden dabei auch die bislang nicht öffentlichen Schwellenwerte des Algorithmus – etwa, wie viele Erkennungen nötig sind, bevor eine IP-Adresse aufgenommen wird. Nach bisherigem Kenntnisstand lasse sich die Sperrliste weiterhin nicht vergiften, also zum Blockieren harmloser Adressen verleiten: Nötig wären Dutzende Erkennungen von Dutzenden vertrauenswürdigen Engines aus Dutzenden getrennten Netzen, zu hohen Kosten. Zudem könne das Unternehmen die Schwellenwerte ändern, was es häufig tue.
Der einzige nutzbare Zugangsschlüssel im Leak gehörte laut Unternehmen zum AWS-Benachrichtigungsdienst SNS und erlaubte nur das Veröffentlichen von Nachrichten in einem einzigen Topic. Am 17. August, einen Monat vor der Veröffentlichung des Codes, versuchte jemand, ihn zu nutzen, kam aber nicht weiter. Andere Token seien bereits rotiert gewesen oder aus dem Internet nicht verwendbar. Die offengelegten Zugangsdaten wurden am 16. und 17. September rotiert.
Die 83 betroffenen E-Mail-Adressen hatte das Data-Science-Team aufbewahrt, um die Produktnutzung zu untersuchen; die Nutzer sollen kontaktiert werden. Die Investorendaten stammen aus einem System von 2020, das nie öffentlich sein sollte. CrowdSec will den Vorfall den Investoren und den Behörden melden; CEO Philippe Humeau schrieb im Bericht an die Investoren: „Dafür entschuldige ich mich persönlich.“ Endpunktschutz auf Entwicklerrechnern war damals nicht vorgeschrieben, läuft nun aber auf den Laptops aller Mitarbeiter, die mit Code oder Systemen des Unternehmens arbeiten. Handlungsaufforderungen an Nutzer enthalten weder der Bericht noch die erste Stellungnahme.
Diese erste Stellungnahme, einen Tag zuvor veröffentlicht, weicht vom Bericht ab: Dort hieß es, es seien „keine Kundendaten, Login/Passwort, Namen, Organisationen oder sonstiges“ abgeflossen, der Schaden bleibe auf das Unternehmen beschränkt. Zudem nannte sie eine intern genutzte Komponente, die im Mai mit einer Hintertür versehen worden sei, um einen API-Schlüssel mit Lesezugriff auf den privaten Code zu stehlen. Der Bericht vom 18. September stellt hingegen fest, dass keine der manipulierten TanStack-Versionen im Code von CrowdSec gefunden wurde, und verweist stattdessen auf das Konto des ehemaligen Mitarbeiters.
