Die Selbsteinschätzung dient dazu, zu klären, welche SASE-Bausteine für die eigene Organisation überhaupt wichtig sind und was bereits vorhanden ist, sagt John Grady, Principal Analyst bei Omdia. „Fragen Sie sich, wo Sie in zwei und drei Jahren stehen wollen", so Grady. „Nehmen Sie diese Bewertung und bauen Sie daraus Ihre Roadmap."

Der Einstieg sollte über Pilotprojekte in klar abgegrenzten Segmenten erfolgen, damit Störungen begrenzt bleiben. Geeignet sind etwa Belegschaften im Homeoffice, bei denen die Grenzen klassischer VPNs am deutlichsten spürbar sind, neue Standorte, die noch nicht von der Altinfrastruktur migriert wurden, oder unkritische SaaS-Anwendungen, bei denen Sicherheitslücken das Kerngeschäft nicht bedrohen.

Piloten sollten über längere Zeiträume laufen — üblicherweise drei bis sechs Monate —, um saisonale Schwankungen, Sonderfälle bei der Integration und das Verhalten unter unterschiedlichen Lastbedingungen zu erfassen. Dabei gilt es, Leistungswerte als Referenz festzulegen, zu prüfen, ob die SASE-Richtlinien den benötigten Verkehr zulassen und unerwünschte Flüsse blockieren, und plattformspezifische Abläufe für Incident Response, Richtlinienänderungen und Fehlersuche zu entwickeln.

Anzeige

„Fangen Sie dort an, wo der Schmerz am größten ist", rät Grady. Liegt das Problem beim Fernzugriff, sei Zero Trust Network Access der Ausgangspunkt; geht es um die Anbindung von Niederlassungen, dann SD-WAN; steht die Kontrolle über SaaS im Vordergrund, dann ein Cloud Access Security Broker.

Statt die gesamte Sicherheitsinfrastruktur auf einen Schlag umzustellen, empfiehlt sich eine schrittweise Migration von Workload-Gruppen: erst Remote-Mitarbeiter und Mobilgeräte, dann Zweigstellennetze und SD-WAN-Anbindung, anschließend der zentrale Zugriff auf Cloud-Anwendungen und zuletzt sensible lokale Workloads. Der Start bei der Remote-Arbeit verschafft Betriebserfahrung und internes Know-how, bevor komplexere Szenarien anstehen. Die Ablösung von MPLS durch SD-WAN in den Niederlassungen bringt häufig unmittelbare Kosteneinsparungen, die die restliche Migration finanzieren. Jede Phase sollte ein bis drei Monate parallel zur Altinfrastruktur laufen, um bei unerwarteten Problemen schnell zurückrollen zu können.

Statt Altregeln mechanisch zu übersetzen, sollte die Einführung eine vollständige Neugestaltung der Richtlinien auslösen: Schattenregeln entfernen, zu großzügige Freigaben streichen, überlappende Regeln zusammenführen und einheitliche Namenskonventionen einführen. Moderne SASE-Governance folgt dem Least-Privilege-Prinzip und stützt Zugriffsentscheidungen auf Identität, Sicherheitszustand des Geräts und Sensibilität der Anwendung statt auf IP-Adressen — was Rollenmodelle und Zugriffsverwaltung grundlegend infrage stellt. Sicherheitsteams kennen die Absicht hinter den Richtlinien, die Fachbereiche die tatsächlichen Zugriffsbedarfe; die Neugestaltung gelingt nur gemeinsam. „Erstellen Sie eine Roadmap, um Richtlinienänderungen zu sequenzieren, und holen Sie die schnellen Erfolge zuerst, ohne die langfristige Ausrichtung an Zero-Trust-Prinzipien aus dem Blick zu verlieren", rät Dave Shackleford, Gründer und CEO von Voodoo Security.

Die geforderten Fähigkeiten unterscheiden sich deutlich von klassischer Netzwerk- und Firewall-Administration: Cloud-native Architekturen, API-gestützte Automatisierung, Identitätsintegration, Richtlinien-Orchestrierung über verteilte Points of Presence und Fehlersuche auf Plattformen ohne lokale Sichtbarkeit. Teams starten meist mit der Akademie oder dem Zertifizierungspfad des gewählten Anbieters; wird SASE über einen MSSP oder MSP bezogen, übernimmt oft der Dienstleister die Schulung.

Nach dem Rollout beginnt der Optimierungszyklus: quartalsweise Richtlinienprüfungen, ob die Regeln noch den Geschäftsanforderungen entsprechen, ob Änderungen unbeabsichtigte Lücken geschaffen haben und ob Bedrohungsdaten Anpassungen nahelegen, dazu Leistungsüberwachung von Latenz, Durchsatz und Zuverlässigkeit bei wachsenden Nutzerzahlen. Wer SASE als lebende Infrastruktur behandelt, Governance-Strukturen etabliert und Verantwortliche für die laufende Optimierung benennt, zieht laut dem Beitrag deutlich mehr Nutzen aus der Investition.