Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft erklärte Reiber gegenüber interessierten Behörden, die Software sei in den Vereinigten Staaten entwickelt worden. Tatsächlich hätten, so eine eidesstattliche Erklärung des Justizministeriums, fünf russische Staatsangehörige — darunter Dawydow — das Unternehmen besessen und kontrolliert, und die Software sei in Russland entstanden. Formal hat Oxygen seinen Sitz in Virginia; die russischen Eigentümer sollen sich hinter einer Holdinggesellschaft mit Sitz auf Zypern verborgen haben.

Die Ermittler verorten den Beginn des Vorgehens nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine und den daraufhin von den USA verhängten Sanktionen. Oxygen habe die Namen der Russen aus den Unternehmensunterlagen entfernt. Reiber wurde im März 2022 Geschäftsführer, Präsident und Vorstandsvorsitzender, kurz bevor die Registerangaben geändert wurden. Laut Mitteilung des Ministeriums trafen die russischen Eigentümer auch danach weiterhin wesentliche Entscheidungen, legten Reibers Vergütung fest, überstimmten ihn bei Zahlungen und besaßen Zeichnungsvollmacht über die Firmenkonten.

Im November 2023 fragte ein Journalist Reiber zu den Russland-Verbindungen. Daraufhin soll er Dawydow geschrieben haben, die Medienaufmerksamkeit „könnte diese ganze Chance zerstören". Gemeint war nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ein anstehender Vertrag mit dem NCFI. Im September 2024 schloss das NCFI einen Fünfjahresvertrag mit Oxygen; in den Unterlagen wurde vermerkt, Reiber habe bescheinigt, dass Oxygen keinen „unmittelbaren oder übergeordneten Eigentümer" habe. Knapp ein Jahr später versicherte das Unternehmen dem Verteidigungsministerium, „keine ausländische Person" habe die Macht, die Bestellung der Direktoren oder Manager zu kontrollieren oder die übrigen Entscheidungen und Aktivitäten zu lenken. 2026 soll Reiber gegenüber DHS-Vertretern erklärt haben, an der Herstellung der Software seien keine Russen beteiligt.

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Aus der Mitteilung geht zudem hervor, dass der russische Inlandsgeheimdienst FSB, das Ermittlungskomitee und das Innenministerium Russlands dieselbe Software von einer separaten Firma Dawydows unter anderem Namen bezogen. Ausdrücklich nicht vorgeworfen wird, dass die Software eingesetzt worden sei, um unbefugt auf Daten oder Systeme der Kunden zuzugreifen; Hinweise auf eingebetteten Schadcode gibt es dem Justizministerium zufolge ebenfalls nicht.

Reiber wurde am Sonntag festgenommen und gegen Kaution freigelassen. Dawydow wurde am selben Tag in London gefasst; die US-Behörden wollen seine Auslieferung beantragen. Am 20. September beschlagnahmten die Behörden rund 57 Domains, Cyber-Infrastruktur und Firmenbankkonten des Unternehmens. Die Website von Oxygen ist seither nicht mehr erreichbar. Das Unternehmen hatte zuvor angegeben, seine Werkzeuge ermöglichten Ermittlern die Extraktion und Analyse digitaler Daten aus verschiedenen Quellen, darunter Cloud-Dienste, Drohnen und Mobilgeräte.

Bei Bürgerrechtsorganisationen war die Firma seit Längerem bekannt; die russischen Verbindungen galten dort als offenes Geheimnis. „Kein Überwachungswerkzeug sollte auch nur in die Nähe einer US-Ermittlung kommen, bevor wir wissen, wem es gehört, wer es baut und an wen sonst noch verkauft wird", sagte Natalia Krapiva, leitende juristische Beraterin für Technologiefragen bei Access Now. Dieselbe Software, die an US-Strafverfolger verkauft worden sei, habe der FSB genutzt, um Daten von den Telefonen kriegskritischer Russen auszulesen und daraus Strafanzeigen zu machen. Wenn Regierungen Technik von zwielichtigen Firmen kauften und deren Angaben einfach glaubten, riskierten sie nicht nur die eigene Sicherheit, sondern finanzierten womöglich die Repression anderer.