Bitget-Chefin Gracy Chen zufolge betraf der Diebstahl die Blockchains Ethereum, XRP Ledger, Arbitrum, Avalanche, Optimism, BSC und Base sowie mehrere Vermögenswerte, darunter ETH, XRP, BNB, AVAX, USDT, USDC und weitere Token. Der größte Einzelverlust auf einer Chain entfiel demnach auf XRP. Einige Chains hätten inzwischen bestätigt, dass die Wallet-Adressen der Angreifer seit dem Angriff eingefroren wurden.

Die Zuordnung nach Nordkorea begründet Chen mit technischen Indizien: “Auf Grundlage von IP-Verhaltensmustern und On-Chain-Analysen stimmt die Angriffsmethode in diesem Vorfall in hohem Maße mit bekannten Mustern nordkoreanischer Hackerorganisationen überein”, erklärte sie. Man habe die zuständigen Institutionen informiert und kooperiere vollständig bei einer weltweiten Untersuchung.

Zum Ablauf sagte Chen, die Angreifer hätten ein kritisches Backend-System innerhalb der Wallet-Infrastruktur kompromittiert, darüber Transaktionsdaten gefälscht und den Autorisierungsprozess ausgelöst, um Gelder abzuziehen. Weitere unautorisierte Überweisungen seien nicht mehr möglich; die konkrete Methode des Systemeinbruchs werde noch aktiv untersucht.

Anzeige

In ihrer Stellungnahme beziffert die Börse den Schaden auf rund 351,6 Millionen Dollar an betroffenen Vermögenswerten. Der Vorfall falle in den Deckungsbereich des User Protection Fund, der aktuell mehr als 464 Millionen Dollar umfasse. Auszahlungen sollen wieder freigeschaltet werden, sobald die Ermittler bestätigen, dass ein normaler Betrieb gefahrlos möglich ist.

Nordkoreanische Angreifergruppen werden seit Jahren mit großen Kryptodiebstählen in Verbindung gebracht. Prominentestes Beispiel ist der Angriff auf Bybit, bei dem 1,5 Milliarden Dollar aus dem ETH-Cold-Wallet der Börse entwendet wurden — der bislang größte dokumentierte Kryptoraub.

Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis hatte vor zwei Jahren erklärt, staatlich unterstützte nordkoreanische Gruppen hätten im Verlauf des Jahres 2024 bei 47 Überfällen 1,34 Milliarden Dollar in Kryptowährungen erbeutet. Elliptic schätzte im Februar 2025, nordkoreanische Hacker hätten “seit 2017 mehr als 6 Milliarden Dollar an Kryptowerten gestohlen, wobei die Erlöse Berichten zufolge in das Programm für ballistische Raketen des Landes geflossen sind”.