Die Untersuchung von Northeastern University und Consumer Reports benennt konkrete Fälle. Die vier Begleit-Apps von General Motors — myCadillac, myChevrolet, myBuick und myGMC — sowie Anwendungen von Honda, Nissan und Lincoln geben laut Bericht Fahrzeug-Identifikationsnummern (VIN) zusammen mit Standortdaten oder E-Mail-Adressen weiter. Damit lassen sich einzelne Fahrer identifizieren, ihre Bewegungsmuster nachvollziehen und die Informationen von Datenhändlern weiterverkaufen.

General Motors steht wegen ähnlicher Praktiken bereits unter Druck: Im Mai verhängten Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta und die California Privacy Protection Agency (CPPA) gemeinsam mit vier lokalen Staatsanwaltschaften eine Strafe von mehr als zwölf Millionen US-Dollar gegen den Konzern. GM wurde zugleich untersagt, Fahrerdaten fünf Jahre lang an Auskunfteien und Datenhändler weiterzugeben.

Empfänger der Daten sind nach Angaben von Consumer Reports nicht nur Werbe- und Analysefirmen, sondern auch Dutzende Technologiekonzerne, darunter Googles Mutterkonzern Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta, Reddit und Pinterest. In der Mitteilung heißt es: „Viele dieser Unternehmen spielen im Ökosystem der Fahrerdaten eine Doppelrolle — als Anbieter von Software und als Betreiber von Werbe-‚Auktionsplattformen‘, die Marketingfachleute nutzen, um bestimmte Kundengruppen gezielt anzusprechen.“ Die Firmen, die Fahrerdaten erheben, seien deshalb oft der erste Knotenpunkt in einem weitläufigen Datenökosystem.

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Keiner der genannten Hersteller reagierte unmittelbar auf eine Bitte um Stellungnahme. Honda allerdings wies nach dem Hinweis von Consumer Reports einen Dienstleister für digitale Datenanalyse und Nutzerverfolgung an, sämtliche erfassten Standortdaten zu löschen und nicht länger an Dritte weiterzugeben.

Mehrere Hersteller erklärten gegenüber Consumer Reports, dass in ihren Apps eingebettete Links auf externe Webseiten führen. Dort können Drittanbieter Cookies und Zählpixel setzen und auf diesem Weg Daten sammeln — in der Regel, ohne dass der Fahrer davon etwas mitbekommt. Zugleich betonten viele Autobauer, ein Teil der empfangenden Unternehmen dürfe die Daten nicht „eigenständig nutzen oder verkaufen“.

Zur Verteidigung verweisen die Konzerne darauf, dass die Datenweitergabe ausschließlich auf ausdrücklicher Zustimmung beruhe. Consumer Reports hält dem entgegen, dass Fahrerinnen und Fahrer häufig gar nicht wüssten, wem sie da zustimmen. Zudem warnten manche Hersteller ihre Kunden, das Fahrzeug könne bei einer Ablehnung möglicherweise nicht mehr nutzbar sein.

„Die Ergebnisse verdeutlichen das gewaltige Ökosystem persönlicher Daten, in das amerikanische Verbraucher unwissentlich hineingezogen werden, wenn sie alltägliche Konsumgüter kaufen und nutzen — Autos eingeschlossen“, heißt es in der Mitteilung zur Studie.