Sutton begründet ihre Anweisung mit der Eigenart des Cyberkriegs: Der „kontinuierliche, hochgetaktete Charakter laufender aktiver Cyberoperationen fordert einen einzigartigen kumulativen, kognitiven und psychologischen Tribut", heißt es im Memo. Anders als klassische kinetische Truppenteile verfügten Cyberteams über keine standardisierten Phasen der operativen Erholung und Regeneration zwischen Einsätzen – mit Folgen für Personalbindung und analytische Leistungsfähigkeit auf lange Sicht.

Die ersten beiden Schritte waren binnen 30 Tagen zu erledigen: Das Kommando soll vier Jahre an „historischen Daten aus Organisationsklima-Umfragen und standardisierten Zusammenfassungen von Austrittsgesprächen" liefern, um eine Ausgangsbasis für den Gesundheitszustand der Truppe zu schaffen. Zudem muss eine Vereinbarung mit der National Security Agency abgeschlossen werden – beide Organisationen teilen sich den Standort Fort Meade in Maryland und werden von Rudd geführt –, um Fachkräfte für psychische und Verhaltensgesundheit in den „operativen Räumen" der Cyber Mission Force einzusetzen. Das Memo beschreibt dies als Übergangslösung, bis eine dauerhafte Unterstützungsstruktur steht.

Bis Mitte Oktober soll ein „Cyber Occupational Resiliency and Engagement Framework" entstehen, das dauerhaft Wohlbefinden, Widerstandsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Operateure absichert. Hinzu kommen Maßnahmen zur Einsatzsteuerung und zur Staffelung von Ruhephasen, die die Erholung planbarer machen und die kumulative Belastung senken sollen. Damit setzt das Pentagon eine Zusage um, die es als Reaktion auf eine Vorgabe im Verteidigungshaushaltsgesetz für das Haushaltsjahr 2024 gegeben hatte: eine Untersuchung der „beruflichen Belastbarkeit" der Cyber Mission Force.

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Binnen 60 Tagen soll das Kommando einen Vorschlag zur Änderung der Regeln für aufeinanderfolgende Verwendungen vorlegen. Dieser solle Karrierewege, Tätigkeiten als Fachausbilder und Ausbildungsverwendungen einbeziehen, die den dauerhaften operativen Stress unterbrechen. Weiter ist eine Person zu benennen, die die Governance and Cyber Wellness Working Group mitleitet und als Hauptverbindung zwischen Fort Meade und Suttons Büro fungiert. Schließlich soll das Kommando gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium und dem Joint Staff die Reihenfolge der digitalen Kampagnen priorisieren – ein Prozess, der üblicherweise im Frühjahr beginnt und fast ein Jahr dauert.

Eine mit dem Memo vertraute Quelle, die anonym bleiben wollte, sagte, viele der genannten Eckpunkte stammten aus dem Umsetzungsplan für „Cyber Command 2.0", seien nach den Suiziden aber vorgezogen worden – teils um Jahre. Die Person vermutet, dass die im Zuge der Reform geschaffene Cyber Talent Management Organization vieles übernehmen werde, äußerte aber Zweifel, da sich diese noch im Aufbau befinde.

Bei der Konferenz HammerCon der Military Cyber Professionals Association sprach Air-Force-Oberst Dan Kim, ranghoher Militärberater in Suttons Büro, von einer „optimierten Einheitenstaffelung", die Operateuren, die „die meiste Zeit zu 100 Prozent im Kontakt" mit Gegnern stünden, Abstand von der Tastatur ermögliche. Zudem werde eine „Modellierung von Spitzenleistung" entwickelt, angelehnt an das Programm „Preservation of the Force and Family" des US Special Operations Command, das den Menschen ins Zentrum stellt.

Oberst Bryon Owen, Stabschef des Marine Forces Cyberspace Command, sagte dort: „Irgendwann wurde unser Kraftakt einfach zum Normaltempo." Sein Teilbereich habe Zugangsausweise für Militärseelsorger und religiöse Betreuer zu operativen Räumen beantragt – das habe „einen deutlichen Unterschied gemacht". Generalleutnant Christopher Eubank vom Army Cyber Command berichtete, zwei Wochen nach Beginn der Operation Epic Fury, des inzwischen acht Monate andauernden Konflikts mit dem Iran, habe er Leuten sagen müssen, sie sollten „Wolken anschauen" und „Gras anfassen". Viele Operateure hätten Hobbys, die der Arbeit ähnelten: abends Red Bull, VR-Brille, „Call of Duty" – und am nächsten Tag wieder von vorn. Man habe deshalb Ruhepläne eingeführt, um die kognitive Belastbarkeit zu erhalten.