Marquis Software entdeckte die Sicherheitsverletzung am 14. August und verständigte umgehend die Behörden, bevor das Unternehmen Cybersicherheitsexperten zur Unterstützung hinzuzog. Die Untersuchung offenbarte, dass die Angreifer erfolgreich Dateien von den Servern des Softwareanbieters kopiert hatten.
Die gestohlenen Informationen umfassen ein beeindruckendes Spektrum sensibler Daten: Vollständige Namen, Wohnadressen, Telefonnummern, Sozialversicherungsnummern, Steuernummern, Geburtsdaten und detaillierte Finanzkontoninformationen. Dies macht den Datensatz besonders wertvoll für Cyberkriminelle und potenzielle Identitätsdiebe.
Besonders problematisch ist die Funktion der Marquis-Software: Das System fungiert als Customer-Relationship-Management-Plattform für Bankangestellte. Dort werden Social-Security-Nummern, Kontonummern, Wohnadressen, Kontostände und weitere sensitive Details erfasst. Das System dokumentiert zudem, welche Mitarbeiter mit Kunden interagiert haben, worüber sie sprachen und wann Folgegespräche geplant sind.
Die Behördenbenachrichtigungen erfolgten in mehreren US-Bundesstaaten, darunter Maine, South Carolina, Washington und Iowa. Marquis Software meldete die Verletzungen auch im Namen mehrerer betroffener Finanzinstitute.
Verstörendes Detail: Einigen Hinweisen zufolge soll Marquis Software eine Lösegeldzahlung an die Angreifer geleistet haben. Ein Datenschutzbrief der Iowa-basierten Community 1st Credit Union deutete auf diese Zahlung hin, wurde jedoch später gelöscht. Das Unternehmen lehnte Stellungnahmen dazu ab.
Besonders fragwürdig ist die Tatsache, dass mindestens 74 Finanzinstitute offiziell als betroffen bestätigt wurden, doch mehrere weitere Banken bestätigten eigene Breaches ohne auf der Liste zu erscheinen. Sicherheitsexperten schätzen, dass die tatsächliche Opferzahl deutlich höher liegen könnte.
Die beteiligten Banken betonten wiederholt, dass Angreifer ihre eigenen Systeme nicht durchbrochen hätten und ausschließlich bei Marquis Software gespeicherte Daten gestohlen wurden. Dies bietet wenig Trost für die betroffenen Kunden, deren Privatinformationen nun in kriminellen Händen sind. Bis heute hat sich keine Ransomware-Bande öffentlich zu dem Angriff bekannt.
