Die US-Staatsanwaltschaft beschreibt Barati als zentrale Figur der Operation. Er sei daran beteiligt gewesen, „den Fortschritt der Spearphishing-Kampagnen zu verfolgen, Zugangsdaten kompromittierter Konten mit anderen Mitverschwörern auszutauschen, Zielllisten zu erstellen, Netzwerkaufklärung zu betreiben und Phishing-Nachrichten zu verfassen".
Die Dimension der Kampagne ist in der Anklage detailliert aufgeschlüsselt: Betroffen waren demnach 144 amerikanische Universitäten und 42 US-Unternehmen sowie 178 ausländische Hochschulen und mindestens elf ausländische Firmen. Zwischen 2013 und 2017 sollen die Angreifer rund 8.000 E-Mail-Konten von Professorinnen und Professoren erfolgreich übernommen haben – mit zuvor erbeuteten Zugangsdaten.
Entwendet wurden laut Justizministerium akademische Fachzeitschriften, Abschlussarbeiten, Dissertationen und elektronische Bücher aus Dutzenden Fachgebieten. Die Dokumente seien an die iranische Regierung weitergegeben und zusätzlich über zwei Webseiten an Universitäten im Iran verkauft worden. Eine dieser Seiten habe Kunden im Iran ermöglicht, über gestohlene Professorenkonten auf die Online-Bibliothekssysteme mehrerer US-Universitäten zuzugreifen.
Die betroffenen Hochschulen gaben nach Angaben der Ankläger rund 20 Millionen Dollar für Untersuchung und Behebung der Einbrüche aus. Insgesamt beziffern US-Behörden den von Baratis Gruppe verursachten Schaden auf 3,4 Milliarden Dollar.
Die Anklageschrift mit 14 Punkten gegen 17 Beschuldigte war im August veröffentlicht worden. Hinter der Kampagne steht nach Darstellung der Staatsanwaltschaft das iranische Unternehmen Mabna Institute, das im Auftrag der Islamischen Revolutionsgarden gehandelt haben soll.
Iran International berichtet, Barati verfüge über eine lange Vorgeschichte als Hacker im Iran. Er habe mehrere bekannte Gruppen gegründet, darunter das Iran Black Hats Team und das Digital Boys Underground Team, denen Angriffe auf Microsoft, das MIT und weitere Einrichtungen zugeschrieben wurden. Dem Bericht zufolge wurde er 2010 vom iranischen Geheimdienstministerium festgenommen und anschließend für mehrere Jahre zur Zusammenarbeit gezwungen. Nach seiner Ausreise aus dem Iran und einer Namensänderung erhielt er 2021 die türkische Staatsbürgerschaft.
