Bei einer Anhörung Hawleys in der vergangenen Woche äußerten Abgeordnete beider Parteien Besorgnis über die Technik. „Was diese Netze einzigartig macht, ist nicht nur die schiere Zahl der Kameras, sondern dass sie alle miteinander verbunden, durch KI gestärkt und durchsuchbar sind", sagte Hawley. Die US-Verfassung sei heute genauso gültig wie vor fast 250 Jahren – einschließlich der Unschuldsvermutung und des Rechts auf persönliche Privatsphäre und Kontrolle über die eigenen Daten.

Sanders formulierte es drastischer: „Sie gehen zum Arzt? Flock weiß es. Sie bringen Ihr Kind zur Schule? Flock verfolgt Sie. Flock schaut immer zu." Amerika dürfe kein Überwachungsstaat werden, in dem eine Handvoll KI-Oligarchen daran verdiene, dem Staat die Verfolgung jeder Bewegung zu ermöglichen.

Hawleys Entwurf ist weniger umfassend als der der Demokraten, gilt aber als bemerkenswert harte Linie eines Republikaners mit traditioneller Nähe zu Strafverfolgungsbehörden. Er würde ALPR-Firmen und Kommunen verbieten, Daten an nichtstaatliche Dritte zu verkaufen oder weiterzugeben, Fahrerdaten vor Auskunftsanfragen schützen und Drittanbietern den Zugriff versperren. Vorgesehen sind zudem ein schriftliches Genehmigungsverfahren vor Abfragen durch Beamte, regelmäßige Prüfungen durch Vorgesetzte, verpflichtende Verschlüsselung und eine Begrenzung der Speicherdauer auf zehn Tage – Flock erlaubt Behörden derzeit in vielen Fällen 30 Tage. Außerdem dürften die Kameras nicht mit Gesichtserkennung ausgestattet werden.

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Datenschützern reicht das nicht. „Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass führende Vertreter beider Parteien Gesetzentwürfe gegen die Gefahren KI-gesteuerter ALPR und die Massenüberwachung einbringen", sagte Chad Marlow, Senior Policy Counsel der ACLU. Der entscheidende nächste Schritt sei, dass sich der Kongress auf einen einzigen Entwurf einige – vollständigen Schutz biete nur ein Verbot.

Flock erklärte über einen Sprecher, man unterstütze Gesetze mit Leitplanken für den Einsatz von Kennzeichenlesern ausdrücklich; solche Regelwerke sollten den Strafverfolgungsbehörden ein Werkzeug erhalten, das nachweislich die öffentliche Sicherheit erhöhe. Das Unternehmen begrüße das Engagement der Gesetzgeber, da Sicherheitstechnik am besten im Zusammenspiel mit klarer Politik, Rechenschaft und Aufsicht funktioniere.

In der Anhörung sagte die Floridianerin Lindsey Isaacs aus, die aufgrund fehlerhafter Daten eines KI-gestützten Flock-Kennzeichenlesers festgenommen und 13 Tage inhaftiert wurde – mehr als drei Tage davon in Einzelhaft. Ihr Auto war baugleich mit dem Fahrzeug von Tatverdächtigen eines wenige Meilen entfernten Vorfalls. Isaacs verbrachte große Teile der Anhörung in Tränen.

Hawley berief sich zudem auf den Sicherheitsforscher Joshua Michael, der am 23. September eine Überwachungskarte mit rund 300.000 mit Flock verbundenen Geräten und mehr als 170.000 im Einsatz befindlichen Flock-Kameras veröffentlichte. Flock gibt durchgängig 120.000 Kameras an. Michael zufolge legte die Flock-Website im November 2025 ein Zugriffstoken offen, mit dem er ohne Anmeldung ein geografisches Informationssystem des Unternehmens abfragen und Standortdaten auslesen konnte. Flock soll eine Markenrechtsbeschwerde gegen ihn eingereicht und eine Unterlassungsaufforderung mit Klageandrohung geschickt haben; laut einem befreundeten Reporter bezeichnete das Unternehmen ihn in einer E-Mail an Kunden als böswilligen Akteur und verwies auf eine Meldung an die Polizei. „Ich weiche nicht zurück", schrieb Michael auf Instagram.

Am 23. September wurden fünf Polizisten aus Indianapolis festgenommen, weil sie dutzend- bis hunderfach Flock-Abfragen zur Verfolgung persönlicher Kontakte durchgeführt haben sollen; vergleichbare Fälle sind landesweit dutzendfach dokumentiert. Die Washington Post berichtete zudem, dass Behörden im St. Lucie County in Florida 14 Flock-Kameras entdeckten, von denen sie nichts wussten und für die keine Genehmigungen erteilt worden waren – nicht der erste Fall unautorisiert aufgestellter Kameras. Ob die Kongressführung in der Sitzungsperiode nach den Wahlen Zeit für Abstimmungen einräumt, ist offen; im kommenden Jahr dürfte das Thema erneut auf die Tagesordnung kommen.