„Wir gehen davon aus, dass das Fehlen zerstörerischer Aktivitäten damit zusammenhing, dass dieser Zugang für weitere Spionage und für Angriffe über Vertrauensbeziehungen wertvoll war", schreiben die Solar-Forscher. Bei einem solchen Angriff kompromittieren Täter zunächst eine Organisation, der ein weiteres potenzielles Opfer bereits vertraut, und nutzen diese Verbindung anschließend, um an das eigentliche Ziel zu gelangen.

Zu den eingesetzten Werkzeugen zählte Vasilek, eine Windows-Hintertür, die mit ihren Betreibern über Telegram kommuniziert. Die Schadsoftware wurde erstmals 2025 von Kaspersky dokumentiert; Solar untersuchte nach eigenen Angaben jedoch eine neuere Variante.

Nach der Installation kann Vasilek Informationen über den infizierten Rechner sammeln, Windows-Befehle ausführen, Prozesse starten und beenden, Dateien übertragen, Bildschirmfotos anfertigen und Tastatureingaben mitschneiden. Zudem kann sich die Hintertür selbst aktualisieren oder löschen.

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Die in Russland geltenden Einschränkungen für Telegram machten die Kommunikation zwischen Vasilek und der Steuerungsinfrastruktur laut Solar weniger zuverlässig. Die Forscher verweisen allerdings darauf, dass die Angreifer auf andere Kommunikationswege ausweichen können.

Die Belarusian Cyber Partisans reagierten bis zum Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage zu dem Angriff. Die Gruppe entstand im Zuge der Massenproteste gegen den belarusischen Präsidenten Alexander Lukaschenko nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2020, deren Ergebnis westliche Regierungen als gefälscht zurückwiesen.

Seither reklamierte die Gruppe einige der größten Cyberangriffe gegen den belarusischen Staat für sich, darunter Operationen gegen staatliche Institutionen und das Eisenbahnsystem des Landes. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs richtet sie sich zunehmend auch gegen russische Organisationen — mit Aktionen, die auf das Abgreifen von Informationen und die Störung von Abläufen zielen.

Im Juli stufte Russlands Oberster Gerichtshof die Cyber Partisans als „extremistische Organisation" ein. Die Gruppe wolle Russland und Belarus destabilisieren und die belarusische Regierung mit verfassungswidrigen Mitteln stürzen, hieß es zur Begründung. Es war das erste Mal, dass Russland diese Einstufung auf eine Hackergruppe anwendete.

„Sie können uns nicht aufhalten, also tun sie wenigstens irgendetwas, um zu zeigen, dass sie nützlich sind", erklärten die Cyber Partisans als Reaktion auf das Urteil. „Und wir werden die Diktatur weiter destabilisieren!"