Ben Harris war ein Kind mit großem Interesse für Technik, das seine Schule dazu bestimmt hatte, Musiker zu werden. Stattdessen beschloss er nach der Lektüre eines Buches über britische Hacker, die in US-amerikanische Militärcomputer eindrangen, sich dem Verständnis von Computersystemen zu widmen. Was ihn faszinierte, war nicht das Verbrechen selbst, sondern die simple Tatsache, dass ein Computer auf einen anderen zugreifen konnte.
Während seiner Schulzeit experimentierte Harris mit den Netzwerken verschiedener Schulen – anfangs ohne erwischt zu werden. Er war sich bewusst, dass der britische Computer Misuse Act (CMA) von 1990 seine Aktivitäten technisch unter Strafe stellte, doch wie Harris selbst bemerkt, war die Behördenpraxis eher auf finanzielle Cyberkriminalität fokussiert als auf das, was er als “Online-Randaliertum” bezeichnet. Seine Philosophie war klar: Solange man keinen Schaden verursachte, rechtfertigte der Lernwille gewisse Regelbrüche.
Die Schulkarre endete abrupt, als Harris in seinem letzten Jahr an einer Upper Sixth College von der Schulleitung erwischt wurde. Sie boten ihm die Wahl: Suspension oder Anzeige. Harris war unbeeindruckt. Sein Vater holte ihn aus der Schule, mit einer klaren Vorgabe: Binnen sieben Tagen musste Harris einen Job haben. Er schaffte es in drei Tagen – nicht beim ersten Versuch, dessen niedriges Angebot er ablehnte, sondern bei einer renommierten Londoner Consulting-Firma.
Von dort aus entwickelte sich Harris’ Karriere geradlinig: Sicherheitsberater bei Portcullis, später bei MWR Infosecurity bis zum Technical Director, dann F-Secure – und im August 2021 gründete er WatchTowr. Die Plattform des Unternehmens bietet Echtzeit-Angriffssimulationen und kontinuierliche Schwachstellenvalidierung.
Was Harris von vielen anderen jungen Hackern unterschied, war seine strikte moralische Grenze. Er nutzte sein Wissen nie, um Noten zu manipulieren, Prüfungen zu fälschen oder Schaden anzurichten. Er wurde nie von kriminellen Impulsen getrieben. Diese innere Ethik ist bemerkenswert, denn sie war nicht das Ergebnis schulischer oder elterlicher Vermittlung allein – es war Harris’ innerer Kompass.
Bis heute lehnt Harris ab, Schwachstellen zu verkaufen oder auszunutzen. Die Frage, wohin solche Informationen gelangen – zu Kriminellen, zu Regierungen – ist für ihn ausschlaggebend. Seine Haltung verdeutlicht einen wichtigen Punkt: Es gibt Hacker mit Gewissen, und deren Übergang in legale Sicherheitsarbeit kann die Branche bereichern. Harris verkörpert einen Hacker mit “rebellischem Geist und Bereitschaft, Regeln zu brechen – aber ohne Schaden zu verursachen”. Genau diese Balance zwischen technischem Verständnis und ethischer Verantwortung macht ihn zum erfolgreichen CEO.
