Die Höhe des Betrugs ist beeindruckend: Mit Hilfe von über 1.000 Bot-Konten zur Spitzenlast gelang es Smith, zwischen 2017 und 2024 ein System zu etablieren, das systematisch Millionen verdiente. Nach eigenen Berechnungen betrieb er 52 Cloud-Service-Konten, jeweils mit 20 Bot-Accounts ausgestattet. Diese konnten täglich etwa 636 Songs abspielen, was zu rund 661.440 Streams pro Tag führte. Bei einer durchschnittlichen Gebühr von 0,5 Cent pro Stream kalkulierte Smith selbst mit Tageseinnahmen von etwa 3.307 Dollar, monatlich knapp 100.000 Dollar und jährlich über 1,2 Millionen Dollar.
Zum Jahreswechsel 2023/2024 bestätigte Smith in einer E-Mail gegenüber seinen Komplizen, dass die generierten Songs mittlerweile “über 4 Milliarden Streams und 12 Millionen Dollar an Gebühren seit 2019” erzeugt hatten. Der Betrug war zentral organisiert: Ein namentlich nicht genannter Musikpromoter und der CEO eines KI-Musikunternehmens unterstützten Smith aktiv bei der Umsetzung.
Besonders aufschlussreich sind Smiths eigene E-Mails, die als Beweis dienen. Bereits im Oktober 2018 schrieb er seinen Komplizen: “Um keine Probleme mit den Machthabern zu verursachen, brauchen wir VIELE Songs mit geringen Stream-Zahlen.” Er wusste genau, dass die Streaming-Plattformen mit Anti-Betrugssystemen ausgestattet waren und sein Plan diese zu umgehen hatte.
U.S. Attorney Jay Clayton kommentierte die Verurteilung deutlich: “Michael Smith generierte tausende gefälschte Songs mit KI und spielte diese milliardenfach ab. Obwohl die Songs und Zuhörer gefälscht waren, war das Geld, das Smith stahl, real.” Der entscheidende Punkt: Smith leitete Millionen an Gebühren um, die legalen, verdienstvollen Künstlern und Rechtsinhabern hätten zugute kommen sollen.
Smith muss nun 8.091.843,64 Dollar Schadensersatz zahlen und risikiert bis zu 5 Jahren Gefängnis nach seiner Schuldeingeständnis wegen Verschwörung zu Drahtbetrug. Der Fall demonstriert eine wachsende Bedrohung in der digitalen Musikindustrie: Mit KI-Tools werden nicht nur künstlerisch fragwürdige Inhalte erzeugt, sondern gezielt Betrugsschemata orchestriert. Für deutsche Musikplattformen und Künstler ist dies ein Alarmsignal, die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen und technische Schutzmaßnahmen gegen automatisierte Manipulation zu verstärken.
