Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft baute Michael Smith ein System auf, das gezielt darauf ausgelegt war, die Schutzmechanismen der Streaming-Plattformen zu unterlaufen. Auf dem Höhepunkt der Operation nutzte er mehr als 1.000 Bot-Konten, um die Abrufzahlen künstlich in die Höhe zu treiben.
Wie er dabei vorging, geht aus seiner eigenen Korrespondenz hervor. In einer E-Mail an sich selbst vom 20. Oktober 2017 hielt Smith eine Aufstellung fest, nach der er 52 Cloud-Service-Konten mit je 20 Bot-Konten betrieb. Jeder Bot konnte demnach rund 636 Songs pro Tag abspielen, was zusammen etwa 661.440 Streams täglich ergab. Bei einem durchschnittlichen Tantiemensatz von einem halben Cent pro Stream errechnete Smith Tageseinnahmen von 3.307,20 Dollar, monatlich 99.216 Dollar und jährlich über 1,2 Millionen Dollar.
Um nicht aufzufallen, setzte Smith auf Masse statt auf wenige stark gestreamte Titel. Am 4. Oktober 2018 schrieb er seinen Mitverschwörern, man brauche “eine RIESIGE Menge an Inhalten mit jeweils geringen Abrufzahlen”, um bei den Verantwortlichen keinen Verdacht zu erregen. Man müsse “schnell eine RIESIGE Menge an Songs beschaffen, damit das mit den Betrugsschutz-Richtlinien funktioniert, die diese Anbieter inzwischen alle einsetzen”.
Die KI-generierten Titel bezog Smith von einem Komplizen; an dem Schema wirkten ein nicht genannter Musikpromoter sowie der Geschäftsführer eines KI-Musikunternehmens mit. Den Umfang des Betrugs bestätigte Smith laut Anklage selbst: In einer E-Mail vom Februar 2024 brüstete er sich damit, die Songs hätten seit 2019 “über 4 Milliarden Streams und 12 Millionen Dollar an Tantiemen” generiert.
US-Staatsanwalt Jay Clayton fasste den Fall so zusammen: “Michael Smith erzeugte mithilfe künstlicher Intelligenz tausende gefälschte Songs und ließ diese gefälschten Songs milliardenfach abspielen. Obwohl die Songs und die Hörer gefälscht waren, waren die Millionen Dollar, die Smith stahl, echt.” Es handle sich um Tantiemen in Millionenhöhe, die Smith echten, verdienten Künstlern und Rechteinhabern entzogen habe.
Smith hat sich in einem Anklagepunkt der Verschwörung zum Überweisungsbetrug schuldig bekannt. Er stimmte einer Einziehung in Höhe von 8.091.843,64 US-Dollar zu und muss mit einer Höchststrafe von fünf Jahren Haft rechnen.
