Festgenommen wurde in Kalifornien der 71-jährige US-Bürger Yih-Shyan “Wally” Liaw, leitender Vizepräsident und Vorstandsmitglied von Super Micro Computer, gemeinsam mit dem 44-jährigen Unternehmens-Auftragnehmer Ting-Wei “Willy” Sun. Ruei-Tsang “Steven” Chang, ein Vertriebsmanager des Unternehmens in Taiwan, ist nach Behördenangaben weiterhin flüchtig. Liaw aus Fremont, Kalifornien, wurde gegen Kaution freigelassen; Sun, ein Staatsbürger Taiwans, blieb für eine Kautionsanhörung am Freitag in Gewahrsam. Wer die Männer rechtlich vertritt, war zunächst unklar.

Laut Anklageschrift wiesen Liaw und Chang Führungskräfte eines Unternehmens in Südostasien an, zwischen 2024 und 2025 Server im Wert von 2,5 Milliarden Dollar bei dem in San Jose ansässigen Hersteller Super Micro Computer zu bestellen. Den Ermittlern zufolge wurde das Vorgehen mit der Zeit dreister: Server im Wert von mindestens 510 Millionen Dollar seien nach ihrer Montage in den USA nach China umgeleitet worden.

Die Gerichtsunterlagen nannten das Unternehmen nicht namentlich. Super Micro Computer Inc. gab jedoch am Donnerstagabend eine Erklärung ab, in der das Unternehmen darlegte, in welcher Funktion die festgenommenen Männer mit ihm verbunden waren. Das in der Anklage geschilderte Verhalten verstoße gegen die Richtlinien und Compliance-Kontrollen des Unternehmens, hieß es; man unterhalte ein belastbares Compliance-Programm und sei der vollständigen Einhaltung aller geltenden US-Export- und Wiederausfuhrkontrollgesetze verpflichtet. Das Unternehmen betonte, selbst nicht angeklagt zu sein, und erklärte, es kooperiere uneingeschränkt mit den Ermittlungen der Regierung.

Nvidia teilte mit, strikte Compliance habe für das Unternehmen höchste Priorität. Man arbeite eng mit Kunden und Behörden an Compliance-Programmen zusammen, da die Exportvorschriften ausgeweitet worden seien. Die unrechtmäßige Umleitung kontrollierter US-Computer nach China sei “unter allen Gesichtspunkten ein Verlustgeschäft”: Nvidia biete für solche Systeme keinerlei Service oder Support, und die Durchsetzungsmechanismen seien streng und wirksam.

Die Restriktionen für den Verkauf von Nvidias KI-Chips an China gehen auf die Regierung von Präsident Joe Biden zurück; das Verbot für die leistungsstärksten Prozessoren hat Präsident Donald Trump beibehalten. Im vergangenen Jahr begann die Trump-Regierung, das Verbot für Nvidias niedriger eingestufte KI-Chips gegen eine an die US-Regierung zu zahlende Provision von 15 Prozent zu lockern. Trotz dieses Zugeständnisses kalkulierte Nvidia in der Umsatzprognose seines jüngsten Finanzberichts keine China-Verkäufe ein.

Auch ohne Geschäfte mit China ist Nvidias Marktwert in drei Jahren von rund 400 Milliarden Dollar Ende 2022 auf heute 4,3 Billionen Dollar gestiegen — mehr als bei jedem anderen Unternehmen der Welt. Konzernchef Jensen Huang sagte zu Wochenbeginn ein Anhalten des KI-Booms voraus und rechnet bald mit einem Auftragsbestand bei Chips von einer Billion Dollar.