Die deutsche Polizei und internationales Strafverfolgungspersonal haben am Freitag die Zerschlagung eines der größten bekannten Dark-Web-Netzwerke bekannt gegeben. Die Ermittlungen führten zur Aufdeckung einer Betrugsmaschinerie ohnegleichen: Der verdächtigte Betreiber kontrollierte über 373.000 versteckte Websites, die vorgaben, illegale Inhalte und Cybercrime-Dienstleistungen anzubieten.
Die Ermittlungen begannen 2021, als deutsche Behörden eine Dark-Web-Plattform namens “Alice with Violence CP” ins Visier nahmen. Schnell stellte sich heraus, dass diese Seite nur die Spitze eines wesentlich größeren Eisbergs war. Der vermutete Betreiber – ein 35-jähriger Chinese – hatte ein Netzwerk aufgebaut, das sich über Zehntausende Domains erstreckte und Angebote von vermeintlichem Missbrauchsmaterial über gestohlene Kreditkartendaten bis hin zu Zugängen zu kompromittierten Systemen bewirbt.
Doch hinter all diesen Versprechungen verbarg sich lediglich Betrug. Die Websites zeigten zwar Vorschaubilder oder beschrieben angebliche Datenvolumina von mehreren Gigabyte bis Terabyte, verlangt aber Kryptowährung-Zahlungen von bis zu 215 Euro – lieferten danach aber absolut nichts.
Vom Februar 2020 bis Juli 2025 soll der Verdächtige etwa 10.000 Kunden weltweit abgezockt und dabei knapp 400.000 Dollar verdient haben. Die Infrastruktur dieses Netzwerks basierte auf bis zu 300 Servern, von denen mehr als ein Drittel in Deutschland lokalisiert wurde – ein Hinweis darauf, dass deutsche Behörden eine zentrale Rolle in der Ermittlung spielten.
Die Ermittlungen wurden kürzlich intensiviert, als Behörden 440 Personen identifizierten, die die Plattform genutzt hatten. Über 100 davon sind derzeit Gegenstand aktiver Ermittlungen. Deutsche Staatsanwälte haben einen internationalen Haftbefehl gegen den Verdächtigen erlassen.
Eine besondere Bedeutung wird der Identifikation der Nutzer beigemessen. Wie Ermittler betonten, stellen solche Fälle wertvolle Informationen dar. Personen, die versucht hatten, illegale Inhalte zu kaufen, könnten Schlüsselfiguren in größeren kriminellen Netzwerken sein. Dies macht sie zu “hochwertvollen Zielen” für weitere Ermittlungen. Behörden betonen zudem, dass bereits der Versuch, solche Inhalte zu erwerben, in vielen Jurisdiktionen eine Straftat darstellt – unabhängig davon, ob die Lieferung tatsächlich stattfand.
