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Operation Alice: Polizei zerschlägt Netzwerk mit über 373.000 gefälschten CSAM-Seiten

Operation Alice: Polizei zerschlägt Netzwerk mit über 373.000 gefälschten CSAM-Seiten
Zusammenfassung

Die internationale Polizeioperation Alice hat einen bedeutenden Schlag gegen Cyberkriminelle gelandet: Deutsche Ermittler und Europol haben über 373.000 betrügerische Websites im Darknet zerschlagen, die gefälschte Inhalte von Kindesmissbrauch (CSAM) anboten. Die seit Mitte 2021 laufende Ermittlung richtete sich gegen die Plattform „Alice with Violence CP", betrieben von einem 35-jährigen Verdächtigen aus China. Die kriminellen Websites lockten etwa 10.000 Nutzer mit vorgetäuschten CSAM-Paketen an und erbeuteten rund 400.000 US-Dollar in Bitcoin – ohne dass die Käufer je illegales Material erhielten. Besonders brisant: Deutsche Behörden identifizierten 440 der betrogenen Nutzer in 23 Ländern, von denen 100 derzeit strafrechtlich ermittelt werden. Für Deutschland ist diese Operation von erheblicher Bedeutung, da 105 der 287 Server des Netzwerks auf deutschem Boden standen und beschlagnahmt wurden. Die Operation verdeutlicht ein doppeltes Kriminalitätsproblem: Während der chinesische Betreiber durch raffinierten Betrug Geld kassierte, offenbarten sich zahlreiche Nutzer als potenzielle Täter mit krimineller Absicht zum Kauf von Missbrauchsmaterial – eine in vielen Ländern schwer strafbare Handlung, selbst wenn keine tatsächliche Lieferung stattfand.

Die internationale Polizeiaktion Operation Alice stellt einen bedeutenden Erfolg im Kampf gegen Cyberkriminalität und Kindesmissbrauch dar. Mehr als 373.000 Dark-Web-Seiten wurden abgeschaltet, die Teil eines ausgeklügelten Betrugssystems waren. Anders als der Name vermuten ließe, bot die Plattform “Alice with Violence CP” keine echten illegalen Inhalte an – stattdessen nutzte sie die Verzweiflung und kriminellen Absichten von Tätern aus, um diese um erhebliche Summen zu betrügen.

Die Funktionsweise des Betrugs war perfide: Potenzielle “Käufer” erhielten auf den gefälschten Seiten Vorschaubilder und Versprechungen, Datenmengen zwischen wenigen Gigabyte und mehreren Terabyte an CSAM-Material für EUR 17 bis EUR 250 zu erhalten. Nach der Zahlung in Bitcoin folgte – nichts. Die Betrüger kassierten Zahlungen ein, lieferten aber bewusst nicht, was sie versprochen hatten. Diese Masche erwies sich als äußerst lukrativ: Rund 10.000 Benutzer zahlten insgesamt etwa 400.000 Euro.

Die Infrastruktur des Betrugsnetzes war beachtlich dimensioniert: 287 Server weltweit, davon 105 in Deutschland. Diese deutsche Komponente ermöglichte den hiesigen Behörden eine führende Rolle in den Ermittlungen, die Mitte 2021 begannen. Europol koordinierte die internationale Zusammenarbeit und half bei der Identifikation von 440 Verdächtigen aus 23 Ländern. Von diesen werden derzeit 100 Personen aktiv ermittelt, wobei auch deutsche Bürger unter den Verdächtigen sind.

Besonders relevant für die strafrechtliche Verfolgung: Selbst der gescheiterte Versuch, solches Material zu erwerben, ist in vielen Ländern – einschließlich Deutschland – strafbar. Die Täter hätten illegal handeln wollen und unterstützten damit wirtschaftlich den Missbrauch von Kindern, auch wenn sie am Ende selbst Opfer von Betrug wurden.

Europol betont seine breiter angelegte Arbeit im Kinderschutz, etwa durch die im November 2025 gestartete Help4U-Plattform und die Initiative “Stop Child Abuse – Trace an Object”. Diese laden die Öffentlichkeit ein, Objekte in CSAM-Materialien zu identifizieren, um Täter zu überführen und betroffene Kinder zu retten.

Gegen den chinesischen Betreiber erließ die deutsche Justiz einen internationalen Haftbefehl.