Travis erhielt für seine Rolle 51.397 US-Dollar. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Jahr Haft und drei Jahren überwachter Entlassung. Zudem muss er 193.265 US-Dollar einziehen lassen — den Betrag, den die Nordkoreaner unter seinem Namen verdienten.

Salazar und Phagnasay überließen den nordkoreanischen Arbeitern auf ähnliche Weise ihre Identitäten und nahmen Firmen-Laptops entgegen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erhielt Phagnasay mindestens 3.450 US-Dollar; unter seinem Namen wurden zwischen 2019 und 2021 IT-Kräfte bei zehn US-Unternehmen eingestellt, die zusammen 680.000 US-Dollar verdienten. Salazar erhielt 4.500 US-Dollar, unter seinem Namen wurden von September 2020 bis Oktober 2022 mehr als 400.000 US-Dollar erwirtschaftet. Beide wurden zu drei Jahren Bewährung verurteilt und müssen die in ihrem Namen verdienten Beträge einziehen lassen.

Margaret Heap, US-Staatsanwältin für den Southern District of Georgia, bezeichnete das nordkoreanische IT-Arbeiter-Schema als „erhebliche Herausforderung für unsere nationale Sicherheit". Die Männer hätten „den Schlüssel zum Online-Königreich praktisch an mutmaßlich nordkoreanische Technologie-Arbeiter im Ausland übergeben, die illegale Einnahmen für die nordkoreanische Regierung beschaffen wollten — und das alles für das, was ihnen wie leicht verdientes Geld erschien", so Heap.

US-Strafverfolgungsbehörden haben das nordkoreanische IT-Arbeiter-Schema über die vergangenen fünf Jahre nach und nach aufgedeckt, dabei sogenannte Laptop-Farmen ausgehoben und Amerikaner festgenommen, die die Kampagne unterstützten. Die nordkoreanische Regierung hat hunderte Millionen US-Dollar verdient, indem sie ihre Bürger illegal bei US- und europäischen Unternehmen einschleuste.

Forscher von Flare und IBM gelangten an einen Fundus interner Nachrichten und Dokumente nordkoreanischer IT-Arbeiter, der die innere Struktur des Schemas und seine Hierarchien offenlegt. Die IT-Kräfte besuchen demnach renommierte Universitäten in Nordkorea und durchlaufen selbst ein anspruchsvolles Auswahlverfahren, bevor sie der Operation beitreten. Sie gelten laut Bericht als „Elitemitglieder der nordkoreanischen Gesellschaft" und seien zu einem „unverzichtbaren Bestandteil der strategischen Ziele der nordkoreanischen Regierung" geworden.

Dem Bericht zufolge werden viele Mittelsleute in den USA und Europa über LinkedIn und GitHub rekrutiert. Viele von ihnen stellten ihre Identitäten „freiwillig oder unfreiwillig" für den Betrug zur Verfügung.