In der bei der Securities and Exchange Commission (SEC) eingereichten Meldung schildert Trio-Tech International den Ablauf des Vorfalls in mehreren Stufen. Der Angriff wurde am 11. März entdeckt und verschlüsselte Dateien im Netzwerk der Tochtergesellschaft in Singapur. Zu diesem Zeitpunkt habe das Management den Vorfall als nicht wesentlich bewertet, heißt es in der Einreichung.

Am 18. März 2026 änderte sich die Einschätzung: Der Vorfall eskalierte und führte zur unbefugten Offenlegung bestimmter Unternehmensdaten. Daraufhin gelangte das Management zu dem Schluss, dass es sich um einen wesentlichen Cybersicherheitsvorfall handeln könnte. Welche Daten genau entwendet wurden, ist offen; die Tochter benachrichtigt nach eigenen Angaben derzeit die betroffenen Parteien.

Als Reaktion nahm Trio-Tech International sein Netzwerk vom Netz und beauftragte Cybersicherheitsexperten mit der Bewältigung des Angriffs, nachdem die Strafverfolgungsbehörden in Singapur informiert worden waren. Die Wiederherstellung der Systeme dauert nach Unternehmensangaben weiterhin an.

Das 1958 gegründete Unternehmen ist auf Prüfung, Fertigung und Vertrieb von Halbleitern spezialisiert und betreibt Standorte in den USA, Singapur, Malaysia, Thailand und China. Im Kern überprüft es, ob Halbleiterkomponenten die geforderten Zuverlässigkeitsstandards für Automobilelektronik, Industrieelektronik, Computer und Datenspeicherung, Unterhaltungselektronik sowie den Kommunikationsmarkt erfüllen oder übertreffen.

Der volle Umfang des Angriffs ist laut Unternehmen noch unbekannt und könnte sich auf die Finanzen auswirken. Trio-Tech International wies im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 36 Millionen US-Dollar aus; 94 Prozent der Kunden sitzen in Asien. Das Unternehmen beschäftigt rund 600 Mitarbeiter, die überwiegend über Asien verteilt sind.

Der Vorfall folgt einen Monat auf einen Ransomware-Angriff beim Halbleiter-Testanlagenanbieter Advantest, den dieser den japanischen Behörden gemeldet hatte. Ransomware-Banden haben die lukrative Halbleiterbranche in den vergangenen fünf Jahren wiederholt ins Visier genommen: Microchip Technology, einer der größten US-amerikanischen Halbleiterhersteller, wurde 2024 von der Play-Ransomware-Gruppe angegriffen, Applied Materials 2023. Auch das in chinesischem Besitz befindliche Unternehmen Nexperia und das taiwanische Foxsemicon waren von Ransomware-Angriffen betroffen.