Die neue Library-Funktion markiert einen weiteren Schritt von OpenAI zur Integration von Dateiverwaltung direkt in die ChatGPT-Plattform. Das System funktioniert automatisch: Sobald Nutzer eine Datei in einen Chat hochladen, speichert ChatGPT diese automatisch in der Library – ohne dass der Benutzer explizit zustimmen muss. Das vereinfacht zwar die Wiederverwendung von Dokumenten, Tabellen oder Präsentationen in zukünftigen Gesprächen, wirft aber auch Fragen zur Datenkontrolle auf.
Besonders bemerkenswert ist das Löschverfahren: Wer eine Datei aus der Library entfernen möchte, muss diese manuell löschen. Doch auch danach bleibt die Datei noch etwa 30 Tage auf OpenAIs Servern gespeichert, bevor sie endgültig gelöscht wird. OpenAI begründet dies vage mit “rechtlichen Gründen” – eine Erklärung, die Fragen aufwirft, insbesondere im Kontext der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Deutschsprachige Nutzer können diese Funktion jedoch ohnehin nicht nutzen, da OpenAI sie explizit für Länder der EU, der Schweiz und Großbritannien blockiert hat.
Ein weiterer Aspekt: Wer einen Chat löscht, in dem Dateien hochgeladen wurden, werden diese Dateien nicht automatisch aus der Library entfernt – sie persistieren separat im Nutzerkonto. Dies bedeutet, dass Nutzer sehr aufmerksam sein müssen, um ihre Dateien wirklich von OpenAIs Servern zu entfernen.
Für die Library-Nutzung sind neue Abonnementsstufen erforderlich – Plus, Pro oder Business. Kostenlose ChatGPT-Nutzer haben keinen Zugriff auf diese Funktion.
Die Entscheidung, das Feature in der EU und Großbritannien nicht anzubieten, deutet darauf hin, dass OpenAI derzeit Schwierigkeiten hat, die Funktion mit strengeren europäischen Datenschutzanforderungen zu vereinbaren. Dies könnte ein Hinweis auf grundsätzliche Unterschiede zwischen der US-amerikanischen und europäischen Sicht auf Datenspeicherung und Nutzerkontrolle sein.
