Gartner unterscheidet seine Berichtstypen klar: Ein Market Guide bewertet oder positioniert Anbieter nicht, sondern beschreibt einen frühen, oft chaotischen Markt und skizziert die Merkmale repräsentativer Anbieter, um Einblick in den Markt selbst zu geben. Genau in diese Phase fällt der Markt für Guardian Agents.

Dass KI-Agenten in Unternehmen angekommen sind, belegt Gartner mit dem Befund, dass die schnelle Einführung die traditionellen Governance-Kontrollen überhole. Orchid Security ordnet dies in das Konzept der “Identity Dark Matter” ein – die unsichtbare und nicht verwaltete Identitätsebene. Dazu zählen lokale Anmeldedaten, niemals ablaufende und leicht vergessene Token sowie umfassende Berechtigungen, die unabhängig von Nutzer oder Aufgabe vergeben werden. Der Einsatz von KI-Agenten vergrößere diese Schicht noch stärker als herkömmliche Dienstkonten.

KI-Agenten seien zudem von Natur aus auf Abkürzungen aus, so Orchid Security: Sie suchten stets den effizientesten Weg zu einem zufriedenstellenden Ergebnis und nutzten dabei häufig verwaiste oder ruhende Konten und lose Token mit lokalen Klartext-Anmeldedaten und überhöhten Rechten aus, um ein Ziel zu erreichen – unabhängig davon, ob ihnen das erlaubt sein sollte. So entstünden unbeabsichtigte Vorfälle.

Darüber hinaus verweist Orchid Security auf den 2026 CrowdStrike Global Threat Report, demzufolge Angreifer auch KI-Systeme selbst aktiv ausnutzen: Sie hätten bei mehr als 90 Organisationen schädliche Prompts in GenAI-Werkzeuge eingeschleust und KI-Entwicklungsplattformen missbraucht.

Der Market Guide nennt verpflichtende Funktionen in drei Kernbereichen und beschreibt insgesamt neun Detailfunktionen. Gartner skizziert außerdem sechs aufkommende Ansätze für Bereitstellung und Integration. Diese seien keine bloßen Verpackungsfragen, betont Orchid Security: Sie entschieden darüber, wo die Kontrolle liege, wie viel Sichtbarkeit man tatsächlich erhalte, wie durchsetzbar die Richtlinien seien und welcher Teil des Agentenbestands außerhalb der Abdeckung bleibe.

Unabhängig vom technischen Ansatz fordert Gartner mehr als nur die in einen einzelnen Cloud-Anbieter, ein Identity-Werkzeug oder eine KI-Plattform eingebaute Governance einzelner Agenten. Eine neutrale, vertrauenswürdige Guardian-Agent-Ebene mit mehreren Guardian Agents, die getrennte, aber integrierte Aufsichtsfunktionen wahrnehmen, erzwinge das Routing über alle Anbieter hinweg und wirke so als universeller Durchsetzungsmechanismus.

Die aus Sicht von Orchid Security wichtigste langfristige Erkenntnis: Guardian Agents würden nicht einfach eine weitere in KI-Plattformen eingebettete Funktion sein. Gartner formuliere ausdrücklich, dass Unternehmen unabhängige Guardian-Agent-Ebenen benötigten, die über Clouds, Plattformen, Identitätssysteme und Datenumgebungen hinweg arbeiten. Der Grund: KI-Agenten existierten nicht an einem einzigen Ort, sondern interagierten mit APIs, Anwendungen, Datenspeichern, Infrastruktur und anderen Agenten in verschiedenen Umgebungen. Sobald Agenten Werkzeuge aufriefen, Aufgaben delegierten oder anbieterübergreifend arbeiteten, könne keine einzelne Plattform die Governance allein durchsetzen.

Der Markt steht laut Gartner noch am Anfang: Guardian-Agent-Implementierungen seien heute überwiegend Prototypen oder Pilotprojekte, fortgeschrittene Organisationen nutzten jedoch bereits frühe Versionen. Der Markt trete in eine Phase beschleunigten Wachstums ein, getragen von der raschen Verbreitung agentischer KI über Branchen hinweg. Orchid Security empfiehlt, frühzeitig für Sichtbarkeit von KI-Agenten zu sorgen und dieselben Leitplanken für Identitäts- und Zugriffsverwaltung einzurichten, die für menschliche Nutzer gelten – etwa das Prinzip der minimalen Rechtevergabe, Lebenszyklus-Management und Nachvollziehbarkeit.