Ilya Angelov, der unter den Online-Pseudonymen “milan” und “okart” bekannt war, leitete gemeinsam mit einem Co-Manager die TA551-Gruppe, die unter mehreren Namen in der Cybersicherheitsszene bekannt ist – darunter ATK236, G0127, Gold Cabin und Monster Libra. Das Geschäftsmodell der Gruppe war dabei bemerkenswert effizient und brutal: Angelov und sein Partner bauten ein Netzwerk aus kompromittierten Computern auf, indem sie Malware-infizierte Dateien per Spam-E-Mail verbreiteten. Diese sogenannten “Bots” verkauften sie anschließend an andere Cyberkriminelle weiter – ein Konzept, das zum Geschäftsmodell einer ganzen Branche wurde.
Zwischen August 2018 und Dezember 2019 stellte TA551 der BitPaymer-Ransomware-Gruppe Zugang zu seinem Botnet bereit. Die Folge: 72 amerikanische Unternehmen wurden infiziert, was zu Erpressungsforderungen von über 14 Millionen Dollar führte. Doch damit nicht genug. Auch die IcedID-Malware-Betreiber zahlten Angelov’s Gruppe über eine Million Dollar, um Zugang zu dem Netzwerk zu erhalten und Ransomware zu verbreiten. Diese Partnerschaft hielt bis August 2021 an.
Besonders bemerkenswert ist die technische Raffinesse der Anschläge. Mandiant-Forscher dokumentierten 2021, wie TA551 mit Phishing-E-Mails arbeitete, die passwortgeschützte Archive enthielten. Diese täuschten Empfänger, um makroaktivierte Word-Dokumente zu öffnen. Darüber wurden zwei Malware-Komponenten namens MOUSEISLAND und PHOTOLOADER installiert – letztere ermöglichte schließlich die Verbreitung von IcedID.
Die Vernetzung der TA551-Gruppe mit anderen Ransomware-Banden zeigt ein wachsendes Ökosystem organisierter Cyberkriminalität. Im November 2021 kooperierte TA551 mit den TrickBot-Operatoren, um Conti-Ransomware zu verbreiten. Gleichzeitig unterstützten sie auch die Lockean-Ransomware-Gang, nachdem die Emotet-Botnet-Infrastruktur durch Strafverfolgung zerstört worden war.
US-Staatsanwalt Jerome F. Gorgon Jr. kommentierte den Fall deutlich: “Ausländische Cyberkriminelle wie dieser Angeklagte zielen auf amerikanische Bürger und Konzerne ab. Ihre Methoden werden immer raffinierter. Aber ihre Motivation bleibt gleich – uns auszubeuten und zu schaden.”
Der Fall ist nicht isoliert. Parallel wurde ein 26-jähriger Russe namens Aleksei Olegovich Volkov zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt, weil er als Initial-Access-Broker für Yanluowang-Ransomware-Anschläge agierte. Für deutsche Unternehmen unterstreichen solche Urteile die Notwendigkeit robuster Cybersicherheitsmaßnahmen.
