Der Hafen von Vigo, einer der größten Fischereihafen Europas, kämpft derzeit mit den Folgen eines umfassenden Ransomware-Angriffs. Hafenpräsident Carlos Botana kündigte an, dass die Systeme solange offline bleiben werden, bis absolute Sicherheitsgarantien vorhanden sind. “Wir werden die Verbindungen erst wiederherstellen, wenn wir vollständig sicher sind, dass kein weiterer Angriff möglich ist”, sagte Botana gegenüber lokalen Medien. Ein konkreter Zeitplan für die Wiederherstellung normaler Operationen liegt derzeit nicht vor.
Die Auswirkungen sind erheblich: Während Schiffe noch be- und entladen werden können, fehlt die digitale Koordination, die normalerweise über die Hafenplattformen läuft. Mitarbeiter müssen auf papiergestützte Verfahren zurückgreifen – ein Rückfall in vordigitale Zeiten, der Effizienz und Sicherheit gefährdet. Die Angreifer forderten ein Lösegeld, was auf eine finanziell motivierte Attacke hindeutet. Bislang hat sich keine Cyberkriminelle Gruppe zu der Tat bekannt.
Die Ermittlungen laufen noch, um zu klären, wie die Angreifer ins Netzwerk eindringen konnten und ob sensible Daten kompromittiert wurden. Dies ist eine Frage, die nicht nur spanische, sondern auch deutsche Häfen betrifft.
Häfen und maritime Organisationen sind in jüngster Zeit zunehmend zum Ziel von Ransomware-Gangs geworden. 2023 zwang ein Angriff der LockBit-Gruppe den Hafen von Nagoya in Japan zur temporären Schließung. Häfen in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Portugal, Australien und US-amerikanischen Städten wie Houston wurden ebenfalls angegriffen. Auch große Schifffahrtslogistik-Unternehmen verzeichneten Sicherheitsvorfälle mit mehrtägigen Betriebsstörungen.
Für deutsche Häfen und Logistikbetriebe ist der Vorfall in Vigo ein mahnendes Beispiel. Die Infrastrukturen hierzulande müssen ihre Cybersicherheit überprüfen und Notfallpläne für genau solche Szenarien vorbereiten. Regierungsbehörden sollten zudem Richtlinien ausgeben, wie kritische Infrastrukturen bei solchen Angriffen reagieren sollten. Der Hafen von Vigo zeigt: Auch moderne, technologisch fortgeschrittene Einrichtungen sind verwundbar.
