Drahtlose Kommunikation ist nach Einschätzung von R2 Wireless zu einem kritischen Faktor geworden, weil immer mehr Sicherheitssysteme, Betriebstechnik und Anwendungen darüber angebunden sind. Cordell Bennigson, CEO für den US-Markt bei dem auf Echtzeit-Funküberwachung spezialisierten Unternehmen, sieht ein konkretes Risiko: “Es besteht eindeutig die Gefahr von Störungen der Betriebstechnik, etwa bei Stadionsystemen, der Verkehrssteuerung oder der Kommunikation der Sicherheitskräfte – vor allem dort, wo diese Systeme drahtlose Komponenten haben.”
Laut Bennigson erwartet die Gastgeberstädte “eine der komplexesten Funkumgebungen, die eine Stadt je erleben wird”. Es gehe um Hunderttausende Menschen, Tausende Geräte, Übertragungsinfrastruktur, Behördenfunk, temporäre Netze und zunehmend autonome Systeme, die alle gleichzeitig auf engem Raum betrieben würden.
Die physischen Cyberbedrohungen haben sich nach Darstellung der Experten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor vier Jahren stark gewandelt. FPV-Drohnen (First-Person-View) überwachen dort das Schlachtfeld; laut Reuters werden inzwischen rund 80 Prozent der Todesfälle und Verletzungen Drohnen zugeschrieben – zu Kriegsbeginn waren es weniger als 10 Prozent.
Zu den aktiven drahtlosen Bedrohungen zählt der Versuch, die Steuerungssignale (Command-and-Control, C2) zu kapern oder zu stören, mit denen Veranstalter ihre Anlagen betreiben und absichern. Auch über drahtlose Netze selbst lassen sich Veranstaltungssysteme kompromittieren. Moderne Netze wie 5G sind zunehmend Angriffen ausgesetzt; der Ausrüster Nokia kommt zu dem Schluss: “Sicherheitsverletzungen sind die Regel, nicht die Ausnahme.”
Drohnen wiederum stützen sich fast vollständig auf Funksignale und können Sensoren tragen, um drahtlos zu überwachen und Kommunikation abzugreifen. Zwar sind sie anfällig für Störsender, doch viele arbeiten über kommerzielle Mobilfunknetze, andere nutzen eine integrierte KI und kommen ohne drahtlose Verbindung aus.
Krishna Vishnubhotla, Vice President für Produktstrategie beim Mobile-Security-Anbieter Zimperium, verweist auf rechtliche Grenzen: “Die meisten örtlichen Strafverfolgungsbehörden dürfen nicht einmal grundlegende Werkzeuge zur Drohnenabwehr einsetzen.” Die WM 2026 sei “ein erstklassiges Ziel”; Drohnen, drahtlose Überwachung und kaskadierende Infrastrukturausfälle seien bei einem Ereignis dieser Größenordnung allesamt glaubwürdige Bedrohungen.
Neben aktiven Angriffen nennt Bennigson auch das Orten und Kartieren von Geräten, das Abgreifen von Metadaten sowie Überwachung aus der Luft und am Boden als Risiken. Weil Großveranstaltungen stark auf temporäre Infrastruktur, Übertragungstechnik, Behördenfunk und IoT-Geräte angewiesen seien, fänden Angreifer zahlreiche Ziele. “Das Funkspektrum wird zugleich zum Schlachtfeld und zum blinden Fleck”, sagt er. In einer dicht belegten Funkumgebung könnten sich Angreifer im legitimen Verkehr verstecken – das Rauschen werde zu ihrer Tarnung.
Vishnubhotla fordert, das Funkspektrum im Umkreis solcher Veranstaltungen abzusichern: “Wirksame Abwehr erfordert, Funk-, Radar-, akustische und optische Erkennung zu kombinieren, da Gegner gezielt die blinden Flecken einzelner Systeme ausnutzen.” Sowohl die EU als auch die USA setzten zunehmend auf KI-gestützte Spektrumsüberwachung und schränkten die Mobilfunksteuerung von Drohnen ein. Entscheidend sei zudem, Personal für den Einsatz in feindlichen Funkumgebungen zu schulen.
