Die britischen Sanktionen richten sich nicht nur gegen die Xinbi-Plattform selbst, sondern auch gegen konkrete Betriebsstätten und ihre Betreiber. Im Fokus steht das sogenannte “#8 Park”, das größte Betrugszentrum Kambodschas mit einer Kapazität für bis zu 20.000 Zwangsarbeiter. Die Blockchain-Analysefirma Elliptic verbindet #8 Park mit der Prince-Group-Verbrechersyndikation. Der tatsächliche Betreiber, das Unternehmen Legend Innovation Co., wird ebenfalls sanktioniert.
Die Funktionsweise dieser Betrugszentren ist perfidioniert: Kriminelle Netzwerke, häufig von chinesischen Synditaten betrieben, rekrutieren Arbeitskräfte unter Zwang. Diese werden gezwungen, potenzielle Opfer über Social Media, Messaging-Apps und Dating-Plattformen zu kontaktieren. Dabei nutzen die Betrüger persönliche Daten aus Datenbanken wie denen von Xinbi. Sie locken Opfer mit romantischen Geschichten oder verlockenden Investitionsmöglichkeiten in Kryptowährungen an. Das Endspiel ist immer gleich: Die eingezahlten Beträge werden auf Konten der Kriminellen transferiert – eine Investition fand niemals statt.
Die britische Regierung setzt darauf, dass die Sanktionen Xinbi vom legitimen Kryptowährungsmarkt isolieren. Dies war bereits erfolgreich beim Byex Exchange, das nach britischen Sanktionen des Vorjahres abgeschaltet wurde. Eine ähnliche Isolationsstrategie soll nun Xinbi treffen und die Fähigkeit zur Geldwäsche erheblich beeinträchtigen.
Stephen Doughty, Britischer Minister für Europa und Überseegebiete, betont die Entschlossenheit: “Wir werden nicht zulassen, dass britische Bürger Opfer dieser schrecklichen Betrügereien werden.” Die Aktion folgt auf eine vorherige Sanktionierungswelle im Oktober 2025 gegen die Prince Group und ihren Anführer Chen Zhi. Das US-Justizministerium beschlagnahmte dabei 15 Milliarden Dollar in Bitcoin – doch Zhi bleibt flüchtig.
Dies unterstreicht ein globales Sicherheitsproblem: Während technische Cybersicherheit voranschreitet, bleibt die organisierte Cyberkriminalität hochgradig professionalisiert und mobil. Deutschland sollte sich dieser Entwicklungen bewusst sein, zumal deutsche Bürger häufig Ziele dieser Betrugsszenarien sind.
