Die EU intensiviert ihren Kampf gegen unzureichenden Kinderschutz in sozialen Netzwerken und Erwachsenenportalen. Neben Snapchat sind auch die Pornoseiten Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos ins Visier geraten. Die Kommission moniert, dass diese Plattformen grundlegende Sicherheitsstandards ignorieren.
Das zentrale Problem ist die Altersverifikation. Snapchat nutzt unter anderem KI-basierte Altersschätzungstools, doch die Kommission zweifelt deren Zuverlässigkeit an. Die Plattform kann offenbar nicht ausreichend verhindern, dass Kinder sich als Erwachsene ausgeben oder Erwachsene sich als Minderjährige präsentieren. Dies schafft ideale Bedingungen für Missbrauch und Grooming.
Henna Virkkunen, die für Technologiepolitik zuständige Vizepräsidentin der Kommission, kritisiert: “Snapchat scheint übersehen zu haben, dass der Digital Services Act hohe Sicherheitsstandards für alle Nutzer verlangt.” Die Ermittlungen reihen sich in bisherige Arbeiten nationaler Behörden ein und unterstellen den Fall nun der direkten Kontrolle der Kommission.
Besonders problematisch ist die verbreitete Praxis der einfachen Selbstdeklaration – Nutzer klicken ein Kästchen, dass sie älter sind. Dies ist nach Ansicht der Behörden völlig unzureichend. Erwachsenenplattformen, die ausschließlich auf solche Klick-Verfahren setzen, gelten als in Verstoß gegen EU-Regeln.
Als Lösungsansatz testet die Kommission ein datenschutzfreundliches Altersverifikations-System, das auf einem EU-weiten digitalen Identitätswallet basiert. Pilotphasen laufen bereits in Frankreich, Dänemark, Italien, Griechenland und Spanien. Das Prinzip ist ausgeklügelt: Eine vertrauenswürdige Behörde verifiziert die Identität einmalig, der Nutzer erhält ein Zertifikat auf seinem Gerät. Bei der Nutzung eines Dienstes teilt der Nutzer nur eine einfache Bestätigung wie “älter als 18” mit – ohne Namen oder Geburtsdatum preiszugeben. Ein Zero-Knowledge-Proof-Verfahren soll Identitäten kryptographisch schützen.
Kritiker warnen jedoch: Trotz aller Datenschutzvorkehrungen könnten sich neue Risiken durch Datenmissbrauch und Cyberangriffe ergeben. Auch die Gefahr der Ausgrenzung bei schwachen Sicherheitsstandards wird genannt. Die Kommission betont, dass das System nicht verpflichtend ist – alternative Lösungen sind zulässig, wenn sie EU-Standards erfüllen.
