Den Ermittlern zufolge kassierte Minasyan zusammen mit Mittätern Zahlungen von Partnern, die RedLine einsetzten. Dabei bot die Gruppe den Hackern eine Art Kundendienst und stimmte sich mit ihnen über den Diebstahl von Finanzdaten ab. Seine Einnahmen aus dem System soll Minasyan über Kryptowährungsbörsen gewaschen haben.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft registrierte er Server, die einen Teil der RedLine-Infrastruktur beherbergten, und betrieb Internet-Domains zur Unterstützung der Malware. Zudem soll er Repositorien angelegt haben, über die er und andere RedLine an weitere Hacker weitergaben.
Die Auslieferung folgt auf eine Zerschlagung der RedLine-Infrastruktur, die das US-Justizministerium gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden aus den Niederlanden, Belgien und weiteren Ländern im Oktober 2024 durchführte. Parallel dazu wurde Anklage gegen Maxim Rudometov erhoben, einen weiteren Entwickler und Administrator von RedLine. Bei ihm handelt es sich nach Angaben der US-Staatsanwaltschaft um einen russischen Staatsbürger, der vermutlich in der Stadt Krasnodar lebt.
RedLine wird seit März 2020 in mehreren einschlägigen Hackerforen verkauft. Mit der Malware konnten Angreifer Anmeldedaten aus Webbrowsern, FTP-Clients, E-Mail-Programmen, Instant-Messaging-Anwendungen und VPNs auslesen und anschließend auf Untergrundmärkten verkaufen.
Sicherheitsexperten zufolge wurde die Schadsoftware in Tausenden Angriffen gegen Systeme in mehr als 150 Ländern und Gebieten eingesetzt. RedLine verschaffte den Tätern zunächst Zugriff auf Systeminformationen wie Benutzernamen, Hardware, installierte Browser und Antivirensoftware, bevor Passwörter, Kreditkartennummern, Krypto-Wallets und VPN-Zugangsdaten an einen entfernten Command-and-Control-Server übertragen wurden.
Im November verhängten die US-Behörden Sanktionen gegen ein bekanntes russisches Bulletproof-Hosting-Unternehmen, das den RedLine-Entwicklern Hosting-Dienste bereitgestellt hatte. Forscher hatten zuvor festgestellt, dass der weitaus größte Teil der gestohlenen Zugangsdaten, die derzeit auf zwei einschlägigen Dark-Web-Marktplätzen gehandelt werden, mit RedLine erbeutet wurde.
