Nach Darstellung von Reva Price haben chinesische kriminelle Syndikate gemeinsam mit chinesischen Staatsunternehmen in Projekte investiert, die mit der Belt-and-Road-Initiative verbunden sind. Zugleich habe man kriminelle Anführer beobachtet, die offenbar verschont blieben, weil sie Botschaften und Aktivitäten im Sinne der Prioritäten der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) förderten.
In ihren schriftlichen Ausführungen für den Ausschuss nannte Price konkret das Bauprojekt Yatai New City im myanmarischen Shwe Kokko, das chinesische Regierungsvertreter ausdrücklich unterstützt und beworben hätten. Mehrere staatliche Unternehmen aus China hätten Verträge für den Bau unterzeichnet; innerhalb weniger Jahre sei daraus laut Price der größte Knotenpunkt chinesischer Online-Betrugssyndikate in Südostasien geworden.
Als Beispiel für die mutmaßliche Schonung durch chinesische Strafverfolger führte Price den Kriminellen Wan Kuok-Koi an, bekannt als “Broken-Tooth”. Er saß 14 Jahre als Anführer der Triade 14k im Gefängnis und baute nach seiner Freilassung sogleich seine kriminellen Aktivitäten in Südostasien wieder auf – diesmal als selbsterklärter patriotischer, parteinaher Geschäftsmann. Price zitierte ihn mit den Worten, er habe früher für die Kartelle gekämpft und kämpfe nun für die KPC; eine parteinahe Stelle habe eine seiner Organisationen für Propagandaarbeit ausgezeichnet. Obwohl Broken-Tooth seit 2020 nach dem Global Magnitsky Act sanktioniert sei, sei China bislang nicht gegen seine Betrugszentren vorgegangen.
China hatte ursprünglich gegen die Zentren durchgegriffen, weil diese zunehmend chinesische Bürger ins Visier nahmen. Eine Analyse der Festnahmen zeige jedoch, so Price, dass Peking gezielt jene Operationen zerschlage, die eigene Bürger schädigten, während Zentren mit ausländischen Opfern weiterlaufen dürften. Zur Veranschaulichung verwies sie auf das Jahr 2024: Während die Verluste durch Online-Betrug in China um rund 30 Prozent zurückgegangen seien, hätten sie in den USA um etwa 40 Prozent zugenommen. Amerikaner gehörten inzwischen zu den Hauptzielen der mit China verbundenen Betrugszentren.
Die Kommission stellte zudem fest, dass kleinere Betrugsoperationen mittlerweile innerhalb Chinas geduldet würden. Unter dem Motto “Chinesen betrügen keine Chinesen” zielten die Täter nur auf Ausländer; China habe diese Tätigkeit zwar für illegal erklärt, doch in der Praxis blieben die Täter selten behelligt.
Nach Schätzungen, die Price nannte, erwirtschafteten die Operationen in Myanmar, Kambodscha und Laos rund 44 Milliarden Dollar – etwa 40 Prozent des kombinierten Bruttoinlandsprodukts dieser Länder. Peking habe die internationale Sorge genutzt, um seinen Einfluss auf die Regierungen der drei Länder zu festigen und seinen Sicherheitsapparat vor Ort zu verankern, etwa über Sicherheitsabkommen mit Laos und Kambodscha von 2023 und 2024 sowie einen regionalen Pakt mit Myanmar, Thailand und Vietnam.
FBI-Vizedirektor Gregory Heeb erklärte bei der Anhörung, eine der größten Hürden für US-Ermittler sei, dass sie als Gäste in anderen Ländern auf deren Kooperation angewiesen seien. In Indien und Thailand habe das FBI Erfolge erzielt, in anderen Ländern komme man an die höheren Ebenen der Operationen jedoch nicht heran. Ein hochrangiger FBI-Vertreter sei im November nach China gereist, um Gespräche mit dem stellvertretenden Sicherheitsminister aufzunehmen; dieser Austausch stehe aber erst ganz am Anfang.
Karen Seifert vom US-Justizministerium, die die neu geschaffene Scam Center Strike Force leitet, sagte, die Einheit umfasse inzwischen mehr als 150 Mitarbeiter. Sie wäre wirksamer, wenn sie betrügerische Webseiten unmittelbar abschalten könnte, statt vor Gericht Geldwäsche nachweisen zu müssen – ein langwieriger Prozess, der durch die Undurchsichtigkeit von Kryptowährungen erschwert werde. In den meisten Fällen ließen sich nur 20 bis 30 Prozent der beschlagnahmten Mittel konkreten Opfern zuordnen.
