Lettlands Verteidigungsministerium sieht hinter der Desinformationskampagne eine gezielt koordinierte russische Strategie. Über russische Medienplattformen und Telegram-Kanäle werden die baltischen Staaten systematisch beschuldigt, ihre Lufträume für ukrainische Drohnenangriffe freizugeben — eine Anschuldigung, die das Land kategorisch ablehnt.
Das Ministerium wertet die Kampagne als Zeichen russischer Schwäche. “Durch solche Aussagen zeigt Russland seine Schwäche und versucht, die Aufmerksamkeit davon abzulenken, dass es sich nicht gegen erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe auf russische Infrastruktur entlang der Ostseeküste verteidigen kann”, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.
Ziel der russischen Operation ist es, die NATO zu diskreditieren, das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen zu untergraben und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Besonders bemerkenswert: Russland nutzt dafür Social-Media-Bots, die gezielt russischsprachige Zielgruppen und junge Nutzer ansprechen — ein klassisches Muster hybrider Kriegführung.
Die Vorwürfe entstand vor dem Hintergrund, dass während eines ukrainischen Drohnenangriffs tatsächlich zwei Drohnen in Lettland und Estland strandeten, während eine weitere auf einem zugefrorenen See in Litauen landete. Behörden bestätigen jedoch: Es gab keine Verletzten und keinen nennenswerten Schaden. Experten führen solche Vorfälle auf elektronische Störsysteme zurück, die beide Seiten zur Drohnenabwehr einsetzen. Diese Systeme können dazu führen, dass Drohnen vom Kurs abweichen — ein technisches Phänomen, das bereits mehrfach dokumentiert wurde, etwa als russische Drohnen in Moldawien und Rumänien absturzten.
Die baltischen Staaten, die an Russland und Belarus grenzen, warnen schon seit langem vor russischen Hybrid-Operationen. Im Januar gaben Lettlands Sicherheitsdienste an, dass Cyberangriffe und Sabotageoperationen mit russischem Hintergrund eine erhebliche Bedrohung darstellen.
Besonders alarmierend: Lettlands Behörden deuten an, dass Russlands Wahrnehmung Lettlands zunehmend der Wahrnehmung ähnelt, die Russland vor der Vollskala-Invasion 2022 von der Ukraine hatte. Dies könnte auf eine zukünftig konfrontativere Haltung hindeuten — auch wenn derzeit keine unmittelbare militärische Bedrohung erkannt wird.
