Russische Medien und Telegram-Kanäle hätten die Behauptung verbreitet, Lettland, Litauen und Estland hätten ihren Luftraum für ukrainische Drohnen geöffnet, die russisches Territorium ins Visier nehmen, teilte das lettische Verteidigungsministerium am Freitag mit. Riga wies diese Darstellung entschieden zurück.

Die drei baltischen Staaten seien weder an der Planung noch an der Durchführung der ukrainischen Angriffe auf Russland beteiligt, erklärte das Ministerium. Als NATO-Mitglieder unterstützten sie die Ukraine durch militärische, humanitäre und finanzielle Hilfe.

“Mit solchen Aussagen zeigt Russland seine Schwäche und versucht, davon abzulenken, dass es sich nicht gegen die erfolgreichen ukrainischen Gegenangriffe auf russische Infrastruktur entlang der Ostseeküste verteidigen kann”, hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

Das Ziel der Kampagne bestehe darin, die NATO zu diskreditieren, das öffentliche Vertrauen in staatliche Institutionen zu untergraben und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. Dazu würden auch Social-Media-Bots eingesetzt, die gezielt russischsprachige Zielgruppen und jüngere Nutzer ansprechen.

Die Vorwürfe folgten offenbar auf Berichte, wonach in dieser Woche mehrere ukrainische Drohnen während eines der größten Langstreckenangriffe Kiews auf Russland in baltisches Gebiet abgekommen waren. Zwei Drohnen drangen demnach in lettisches und estnisches Territorium ein, eine weitere stürzte auf einen zugefrorenen See in Litauen. Die Behörden meldeten weder Opfer noch nennenswerte Schäden.

Sowohl die Ukraine als auch Russland setzen Mittel der elektronischen Kriegsführung ein – darunter Störsender und Geräte zur Manipulation von Navigationssignalen –, um sich gegen Drohnen- und Raketenangriffe zu verteidigen. Diese Maßnahmen können dazu führen, dass Drohnen vom Kurs abkommen. Russische Drohnen wurden im Verlauf des Krieges bereits in Moldau und Rumänien gefunden.

Die baltischen Staaten, die an Russland und Belarus grenzen, haben wiederholt vor russischen hybriden Aktivitäten gewarnt. Im Januar erklärten Lettlands Sicherheitsdienste, Cyberangriffe und Sabotageaktionen mit Russland-Bezug stellten weiterhin eine erhebliche Bedrohung dar.

Nach Einschätzung von Verantwortlichen ähnelt Moskaus Wahrnehmung Lettlands zunehmend der Sichtweise, die Russland vor seiner umfassenden Invasion 2022 gegenüber der Ukraine einnahm. Diese Verschiebung könne auf eine künftig konfrontativere Haltung hindeuten, auch wenn derzeit keine unmittelbare militärische Bedrohung erkennbar sei.