Claude Code galt bisher durchgängig als Closed Source, obwohl sich Anthropic zur Unterstützung der Open-Source-Gemeinschaft bekennt. Mit der versehentlichen Veröffentlichung änderte sich das zumindest faktisch: Ein Update enthielt internen Quellcode und machte ihn öffentlich zugänglich.
Der Fehler steckte in der kurzzeitig auf NPM publizierten Version 2.1.88. Sie führte eine 60 MB große Datei cli.js.map mit, in der der komplette Quellcode der jüngsten Version enthalten war. Eine Source-Map-Datei ist eigentlich ein Debugging-Hilfsmittel, das kompiliertes JavaScript auf den ursprünglichen Quellcode zurückführt. Enthält eine solche Datei ein Feld namens “sourcesContent”, das den vollständigen Text der Originaldateien einbettet, lässt sich der gesamte Quellbaum daraus wiederherstellen. Genau deshalb kann eine große .map-Datei in einem öffentlichen Paket zu einer erheblichen Code-Offenlegung führen.
Der rekonstruierte Quellcode umfasst rund 1.900 Dateien, etwa 500.000 Codezeilen und Details zu mehreren Funktionen, die exklusiv für Claude vorgesehen sind. Zuerst bemerkt wurde der Leak von Chaofan Shou (@Fried_rice). Anschließend verbreitete sich der Code rasch über GitHub und weitere Speicherplattformen.
In einer Stellungnahme gegenüber BleepingComputer bestätigte Anthropic den Vorfall: “Ein Release von Claude Code enthielt heute internen Quellcode. Es waren keine sensiblen Kundendaten oder Zugangsdaten betroffen oder offengelegt. Es handelte sich um ein Verpackungsproblem beim Release durch menschliches Versagen, nicht um einen Sicherheitsvorfall. Wir rollen Maßnahmen aus, um dies künftig zu verhindern.”
Anthropic hat begonnen, den Code dort, wo möglich, per DMCA-Beschwerden entfernen zu lassen. Parallel analysieren Entwickler den Code bereits auf undokumentierte Funktionen und um die Funktionsweise der Anwendung nachzuvollziehen. Laut Alex Finn testet Anthropic einen neuen “Proactive mode”, in dem Claude rund um die Uhr eigenständig programmieren soll; dieser Modus wurde im Quellcode entdeckt. Eine weitere Funktion namens “Dream mode” lässt Claude im Hintergrund fortlaufend nachdenken, Ideen entwickeln, bestehende Pläne verbessern und Probleme lösen, während der Nutzer abwesend ist.
Unabhängig davon berichten Nutzer, Anthropic habe die Nutzungslimits klammheimlich gesenkt. Demnach sollen Abonnenten des Pro- und sogar des Max-Plans (5x) deutlich schneller an ihre Grenzen stoßen. Anthropic bestätigte, einen Fehler zu untersuchen, der die Limits schneller als erwartet ausschöpft. “Uns ist bewusst, dass Nutzer ihre Limits in Claude Code deutlich schneller als erwartet erreichen. Wir untersuchen das aktiv und melden uns, sobald wir Neues haben”, schrieb Lydia Hallie von Anthropic auf X. In einem späteren Update hieß es, man arbeite weiter daran, es sei die oberste Priorität des Teams. Einige Nutzer vermuten eine bewusste Änderung angesichts der zuletzt steigenden Beliebtheit von Claude; ohne weitere Angaben des Unternehmens lässt sich das jedoch nicht beurteilen.
