Die Kernaussage des Ekoparty-Reports lautet, dass Lateinamerika über eine lebendige Cybersicherheits-Community verfügt — Unternehmen jedoch ihre Einstellungspraxis an die Realität anpassen müssen, wie diese Fachleute lernen, arbeiten und leben, um an dieses Talent heranzukommen.

Viele Firmen gehen davon aus, dass ein spezialisiertes Feld wie Cybersicherheit einen Hochschulabschluss voraussetzt. Die Umfrage zeichnet ein anderes Bild: 70 Prozent der Befragten gaben an, sich ihre Fähigkeiten über informelle Wege wie Online-Kurse und Praxiserfahrung angeeignet zu haben. Nur 44 Prozent verfügten über einen Universitätsabschluss, und nur etwa die Hälfte (53 Prozent) hielt mindestens eine Zertifizierung.

Hinzu kommt, dass zwar 79 Prozent in Vollzeit arbeiten, zugleich aber 44 Prozent einer zweiten verwandten Tätigkeit nachgehen — etwa Forschung, Lehre oder der Teilnahme an Bug-Bounty-Programmen. Die Erwartung mancher Organisationen, dass Bewerber ausschließlich für das eigene Unternehmen tätig sind, spiegelt laut Report nicht wider, wie die Sicherheits-Community tatsächlich funktioniert.

Besonders deutlich werden die ungenutzten Möglichkeiten dem Bericht zufolge im Einstiegsbereich. Rund ein Drittel der Befragten (35 Prozent) hatte weniger als drei Jahre Berufserfahrung — ein wichtiger Punkt angesichts vieler Stellenausschreibungen, die ein Jahrzehnt Erfahrung verlangen. Frauen treten dem Feld im Schnitt sieben bis zehn Jahre später bei als Männer, was sowohl auf strukturelle Einstiegshürden als auch auf zusätzliches Potenzial zur Erweiterung des Talentpools hinweist.

Auch bei der Attraktivität von Arbeitgebern ist die Vergütung nicht der einzige Faktor. Als ebenso wichtig nannten die Befragten die Wertschätzung des Wohlbefindens der Beschäftigten, flexible Arbeitsmodelle wie Remote- oder Hybridarbeit, die Anerkennung von Fachwissen sowie Arbeitsplatzsicherheit. Damit, so Ekoparty, könnten sich Unternehmen für Bewerber interessant machen, ohne ihre Budgetgrenzen zu sprengen. Im Report heißt es, lateinamerikanische Fachleute seien zwar zu hoher Expertise und großem Einsatz bereit, wollten zugleich aber eine sinnvolle, ausgewogene und nachhaltige Laufbahn in einer sich rasch wandelnden Branche aufbauen.

Federico Kirschbaum, Mitgründer von Ekoparty, beschreibt gegenüber Dark Reading zudem ein Henne-Ei-Problem: Ob ein Unternehmen seine erste oder seine zehnte Sicherheitsfachkraft einstelle — gefordert würden meist mehr als zehn Jahre Erfahrung, bei einer Bezahlung, die dieser Anforderung nicht entspreche. Das schrecke Kandidaten ab und lasse Personallücken bestehen, wenn sich Organisationen höhere Gehälter nicht leisten könnten.

Unternehmen in dieser Lage könnten den Fachleuten stattdessen dort begegnen, wo sie stehen, und sich entwickelndes Talent fördern, so Kirschbaum. Viele in der Branche kämen aus einem informellen Lernhintergrund, seien kompetent und nicht nur des Geldes wegen dabei, sondern aus echter Begeisterung. Wer dieses Talent gewinnen wolle, müsse seine Einstellungspraxis neu justieren und selbst Teil des Lernprozesses werden — Talent entstehe nicht nur an Hochschulen, sondern auch in der Praxis.