Das Drift Protocol machte den Vorfall am Mittwochnachmittag über mehrere öffentliche Mitteilungen bekannt. Darin erklärte das Unternehmen, es erlebe gerade einen „aktiven Angriff", und kündigte an, Ein- und Auszahlungen auszusetzen. „Wir koordinieren uns mit mehreren Sicherheitsfirmen, Bridges und Börsen, um den Vorfall einzudämmen. Das ist kein Aprilscherz", hieß es in der Stellungnahme.

Bereits zuvor hatten Verantwortliche von Drift mitgeteilt, sie beobachteten ungewöhnliche Aktivitäten, die untersucht werden müssten. Die Kunden wurden aufgefordert, keine Gelder einzuzahlen und vorsichtig zu agieren.

Mehrere auf Blockchain spezialisierte Sicherheitsfirmen bezeichneten die Verluste als erheblich. Experten von PeckShield erklärten gegenüber Recorded Future News, die Summe übersteige 285 Millionen Dollar. Andere Firmen berichteten, es seien mindestens 130 Millionen Dollar an Kryptowährungen von der Plattform abgezogen worden. Auf Anfragen zur tatsächlichen Höhe des Diebstahls reagierte Drift nicht.

Nach Einschätzung der Fachleute wandelt der Angreifer die erbeuteten Mittel wiederholt in andere Coins um. Wie der Täter den Diebstahl genau ausführen konnte, war unter den Ermittlern noch umstritten.

Das 2021 gegründete Drift Protocol baut auf der Solana-Blockchain auf und bietet Verleihen, Ausleihen sowie den Handel mit Perpetuals und Spot-Produkten. Mitgründerin Cindy Leow sagte 2024 gegenüber Fortune, man wolle Drift zum „Robinhood der Kryptowelt" machen. Auf seiner Website verweist das Unternehmen auf mehrere Code-Audits, die es 2023 und 2024 durchlaufen hat.

Damit wäre der Vorfall der größte Krypto-Diebstahl des Jahres und folgt auf frühere Angriffe in diesem Jahr, bei denen Kryptowährungen im Wert von 26 Millionen beziehungsweise 40 Millionen Dollar entwendet wurden. Die Blockchain-Sicherheitsfirma Chainalysis verzeichnete im Vorjahr Verluste von 3,4 Milliarden Dollar durch Krypto-Diebstähle, darunter 1,5 Milliarden Dollar, die von der in Dubai ansässigen Plattform Bybit gestohlen wurden.