Die Auslieferung von Li Xiong markiert einen Wendepunkt in Kambodschas Kampf gegen die organisierte Cyberkriminalität. Der ehemals mächtige Geschäftsmann wird beschuldigt, ein zentrales Bindeglied in dem kriminellen Netzwerk des Chen Zhi gewesen zu sein – des ehemaligen Chefs der Prince Group, der ebenfalls bereits nach China ausgeliefert wurde. Chen Zhi soll ein milliardenschweres Betrugsnetzwerk geleitet haben. Der kambodschanische Innensenat entzog Xiong daraufhin die Staatsbürgerschaft per königlichem Dekret.
Die chinesischen Behörden werfen Li Xiong Glücksspielgeschäfte, Betrug, illegale Geschäftstätigkeiten und Geldwäsche vor. Der ehemalige Huione-Chef soll gezielt digitale und finanzielle Infrastruktur bereitgestellt haben, die es Cyberkriminellen ermöglichte, ihre Operationen massiv zu skalieren. Die Huione Group fungierte dabei als Art Schnittstelle: Sie betrieb Bankdienstleistungen, Kryptowährungsbörsen und Online-Marktplätze – ein komplettes Ökosystem für die Verwertung gestohlener Gelder.
Das US-Finanzministerium stufte die Huione Group im Mai 2025 als “primäres Geldwäscheinstitut” ein. In der Mitteilung hieß es, dass die Gruppe zwischen August 2021 und Januar 2025 mindestens 4 Milliarden Dollar illegaler Einnahmen kanalisiert habe. US-Finanzminister Scott Bessent kommentierte: “Huione Group hat sich als Marktplatz für böswillige Cyberkriminelle, insbesondere aus Nordkorea, etabliert – und für internationale Verbrechersyndikate, die Milliarden von Amerikanern gestohlen haben.”
Xiongs Verhaftung fällt in eine Phase intensivierter staatlicher Repression gegen Kambodschas schrecklich expandierte Betrugsindustrie. Die Regierung kündigte an, bis Ende April 2025 alle Betrugskomplexe im Land aufzulösen. Razzien haben enthüllt, dass Tausende Menschen – viele durch Menschenhandel rekrutiert – in diesen Lagern sogenannte “Pig Butchering”-Betrügereien und andere Investitionsscams durchführten. Retter berichten, dass viele befreite Arbeiter ohne Papiere auf Phnom Penhs Straßen stranden.
Die Huione-Affäre demonstriert ein grundsätzliches Problem: Spezialisierte Finanzinfrastrukturen ermöglichen es Cyberkriminellen erst, ihre Beute zu monetarisieren und zu verstecken. Solange solche Systeme existieren, können Hacker und Betrüger weltweit agieren – auch gegen deutsche Ziele.
