Li Xiong stand an der Spitze der Huione Group, deren Markeneinheiten zeitweise einen Online-Banking-Arm, eine Kryptobörse und einen Online-Marktplatz umfassten. Letzterer wurde als “Amazon für Kriminelle” bezeichnet. Dem Konzern wird vorgeworfen, Gelder für die Betrugsindustrie gewaschen zu haben.

Chinesische Staatsmedien stellten unter Berufung auf das Ministerium für öffentliche Sicherheit eine Verbindung zwischen Xiong und Chen Zhi her, dem früheren Kopf der Prince Group. Chen Zhi wurde kürzlich festgenommen und nach China ausgeliefert, weil er ein milliardenschweres Betrugsunternehmen beaufsichtigt haben soll. Xiong wurde als “Schlüsselmitglied des kriminellen Syndikats von Chen Zhi” beschrieben. Laut Xinhua steht er im Verdacht, Spielhöllen betrieben, Betrug und unrechtmäßige Geschäfte verübt sowie Erträge aus Straftaten verschleiert zu haben. Das kambodschanische Innenministerium teilte mit, dass Xiong seine kambodschanische Staatsbürgerschaft per königlichem Dekret entzogen wurde.

Die Festnahme fällt mit einem verschärften Vorgehen Kambodschas gegen eine Betrugsindustrie zusammen, die über Jahre hinweg ungehindert wachsen konnte, während die Staatsführung ihre Existenz öffentlich leugnete. Die Regierung kündigte an, die Betrugskomplexe im Land bis Ende April vollständig auszumerzen.

Razzien in Einrichtungen der vergangenen Monate haben das Ausmaß des Elends in diesen Komplexen offengelegt. Dort führen Arbeiter, die aus aller Welt dorthin verschleppt wurden, sogenannte Pig-Butchering- und andere Anlagebetrügereien aus. Befreite Arbeiter, denen die Mittel oder die Papiere für die Rückkehr in ihre Heimatländer fehlen, sollen Berichten zufolge auf den Straßen von Phnom Penh stranden.

Nach Einschätzung von Forschern haben Unternehmen wie die Huione Group, die der Betrugsindustrie digitale und finanzielle Infrastruktur bereitstellen, den kriminellen Netzwerken ermöglicht, ihre Aktivitäten massiv auszuweiten.

Im Mai 2025 stufte das Financial Crimes Enforcement Network des US-Finanzministeriums die Huione Group als “Finanzinstitut von vorrangiger Bedeutung für Geldwäsche” ein. Es warf dem Konzern vor, die Beute aus Cyber-Raubzügen nordkoreanischer Hacker sowie transnationaler Gruppen in Südostasien gewaschen zu haben. Zwischen August 2021 und Januar 2025 habe Huione nach Angaben des Finanzministeriums mindestens 4 Milliarden Dollar an illegalen Geldern gewaschen.

“Die Huione Group hat sich als bevorzugter Marktplatz für böswillige Cyber-Akteure wie Nordkorea und kriminelle Syndikate etabliert, die Milliarden von Dollar von ganz normalen Amerikanern gestohlen haben”, erklärte Finanzminister Scott Bessent seinerzeit.