Die Geschichte der Enigma reicht bis 1918 zurück, als der Deutsche Arthur Scherbius das Gerät entwickelte, um vertrauliche Informationen über Telegrafenleitungen für Banken und Unternehmen abzusichern. Die wie eine eigenwillige Schreibmaschine anmutende Konstruktion konnte Nachrichten bequem ver- und entschlüsseln. Später wurde sie verstaatlicht und von den Nationalsozialisten so modifiziert, dass die Verschlüsselung noch komplexer wurde.

Im deutschen Kriegseinsatz galt das Verfahren als außerordentlich erfolgreich – bis polnische Kryptografen den Code 1932 heimlich brachen. Ihre Erkenntnisse teilte das polnische Team erst 1939 mit dem britischen Geheimdienst. Von dort gelangten sie an die Government Code and Cipher School in Bletchley Park, wo sie gegen die deutsche Armee eingesetzt wurden und als wesentlicher Beitrag zum Sieg der Alliierten gelten.

Nach Schätzung von Marc Sachs, der selbst Enigma-Maschinen sammelt, wurden zwischen 35.000 und 40.000 Exemplare produziert. Erhalten sind heute jedoch nur noch etwa 350 bis 360. Viele Geräte wurden von der deutschen Armee mit Gewehrkolben zerstört, anschließend verbrannt und vergraben – möglichst in einer Latrine –, um sie den Alliierten zu entziehen, erklärt Sachs.

“Aber alle paar Jahre wird ein neues gefunden”, sagt Sachs aus seinem Heimbüro, in dem zwei dieser Stücke stehen. Eines ist voll funktionsfähig; das andere fand sich im Schlamm an einem Strand in Ostfrankreich, vermutlich 1944 in einer Latrine entsorgt. Sachs hatte seine Maschinen bereits gesichert, bevor das Interesse mit dem Film “Imitation Game” (2013) über den Codeknacker und Informatiker Alan Turing sprunghaft anstieg. “Danach gingen die Preise durch die Decke”, so Sachs.

In seinem Vortrag auf der RSAC 2026 will Sachs anhand der Kriegsgeschichte aufzeigen, welche Fehlentscheidungen der Nationalsozialisten letztlich zur Kompromittierung ihrer Kommunikation führten – ohne dass sie eine solche je für möglich gehalten hätten. “Es gab konstruktive Fehler”, sagt Sachs. “Sie vertrauten dem Design. Es gab kein Red Teaming.”

Hinzu kam laut Sachs, dass die Enigma an vorderster Front überwiegend von durchschnittlich 19-jährigen, unerfahrenen Rekruten bedient wurde, die leicht abgelenkt und zur Nachlässigkeit neigten – und dadurch selbst Schwachstellen im System schufen. “Die Deutschen waren übermütig”, sagt Sachs. “Sie glaubten, der Code könne nicht geknackt werden, weil sie selbst ihn nicht knacken konnten. Aber der polnische Geheimdienst fing Nachrichten ab und schaffte es.”

Sachs zieht in seinem Vortrag Parallelen zwischen der Enigma und heutigen Herausforderungen rund um Lieferketten, Materialknappheit und mehr. Für besonders Interessierte hat er zudem im Moscone West eine Enigma-Maschine zum Besichtigen aufstellen lassen.