Der Vorfall offenbart ein tieferes Problem: Italien ist längst zum europäischen “Spyware-Hub” geworden. Neben SIO und Asigint agieren weitere Firmen wie Cy4Gate, eSurv, GR Sistemi, Negg, Raxir und RCS Lab in diesem fragwürdigen Markt. Das italienische Unternehmen SIO bewirbt seine Lösungen offen für Strafverfolgungsbehörden, Regierungsorganisationen und Geheimdienstler – mit dem Versprechen von Überwachungsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Verdächtigen.
Bereits im Dezember 2025 enthüllte TechCrunch, dass SIO hinter einer Serie manipulierter Android-Apps steckte, die als WhatsApp und andere populäre Anwendungen getarnt waren. Die Spyware namens Spyrtacus stahl private Daten von Geräten – mutmaßlich im Auftrag eines Regierungskunden zur Überwachung unbekannter Opfer in Italien.
Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art. Im Frühjahr 2025 warnte WhatsApp etwa 90 Nutzer vor der Spyware “Graphite” des Unternehmens Paragon Solutions. Im August desselben Jahres folgten Benachrichtigungen für weniger als 200 weitere Nutzer, die Ziel einer raffinierten Kampagne mit Null-Tage-Lücken in iOS und WhatsApp wurden.
Die europäische Dimension dieses Problems wird deutlicher: Griechenland erlebte mit dem “Predatorgate”-Skandal einen massiven Überwachungsskandal. Ein Gericht verurteilte kürzlich Tal Dilian, Gründer des Intellexa-Konsortiums, und drei Mitarbeiter zu Gefängnisstrafen für den illegalen Einsatz der Predator-Spyware gegen Politiker, Geschäftsführer und Journalisten. Auch Spanien kämpft mit den Folgen des NSO-Pegasus-Skandals von 2022, als Regierungschefs überwacht wurden.
Die Hersteller dieser Tools verteidigen sich: NSO Group behauptet, ihre Technologie nur an Regierungen zur Bekämpfung schwerer Verbrechen lizenziert zu werden. Amnesty International und Cybersicherheitsexperten sehen das kritischer und fordern mehr Transparenz und Verantwortlichkeit. Der Fall zeigt: Europäische Regulierung im Bereich Spyware-Verkauf ist dringend erforderlich.
